Donnerstag, 28. Oktober 2004

Tragödie in Sao Paulo: Brasilianischer Fußball-Star Serginho auf Platz gestorben

  • Herz- und Atemstillstand in der 60. Spielminute
  • Weinende und betende Spieler und Zuschauer

Der bekannte brasilianische Fußballspieler Serginho ist während eines Spitzenspiels der Landesmeisterschaft auf dem Platz zusammengebrochen und gestorben. Der 30-jährige Vorstopper von Sao Caetano erlitt nach Ärzteangaben vom späten Mittwochabend (Ortszeit) einen Herz- und Atemstillstand.

Serginho war in der 60. Minute des Spiels gegen den FC Sao Paulo ohne ersichtlichen Grund zusammengebrochen. Nach einer fünfminütigen Behandlung auf dem Rasen wurde der leblose Spieler in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht, wo die Ärzte jedoch nach 45 Minuten alle Wiederbelebungsversuche aufgeben mussten.

Abbruch des Spiels - Fans pilgerten zum Krankenhaus
Auf dem Rasen des Morumbi-Stadions in Sao Paulo spielten sich nach dem Zusammenbruch bewegende Szenen ab. Viele Spieler und Zuschauer weinten hemmungslos. Spieler und Funktionäre beider Teams sowie die Schieds- und Linienrichter bildeten einen Kreis und beteten für Serginho. Die Begegnung wurde nach rund 20 Minuten noch vor der Bestätigung seines Todes abgebrochen. Vor der Klinik, in die Serginho gebracht worden war, versammelten sich noch in der Nacht Hunderte von trauernden Fans.

Serginho, der mit bürgerlichem Namen Paulo Sergio Oliveira hieß, galt als einer der besten Innenverteidiger Brasiliens. Viele Fußballexperten forderten seit ein paar Jahren seine Berufung in die Nationalmannschaft des fünffachen Weltmeisters.

Reaktionen zum Tod Serginhos: Spieler sind nur "Goldesel"
"Fußballspieler sind einfach keine Maschinen", klagten nach der Tragödie unisono der Torwart des SC Corinthians, Fabio Costa, und der Starjournalist Roberto Assaf beim Sportsender "SporTV". "Wir spielen und reisen, spielen und reisen. Am 19. Dezember geht diese Meisterschaft zu Ende, und Mitte Jänner beginnt schon eine neue, Urlaub wird niemand haben", beschwerte sich Fabio Costa. Assaf meinte, dass die brasilianischen Funktionäre die Spieler nur als "Goldesel" betrachten. "Die Gesundheit interessiert die nicht."

Für Aufsehen sorgte die Enthüllung eines Mannschaftskollegen von Serginho, Torwart Silvio Luiz: "Serginho wusste, dass er Herzprobleme hatte, aber die Ärzte meinten, zu 99 Prozent würde alles gut gehen." Laut Medien soll der Spieler eine Erklärung unterzeichnet haben, in der er die Risiken der Fortsetzung seiner Karriere übernahm.

Klub-Präsident bestreitet schweren Vorwurf
"Grober Fahrlässigkeit" bezichtigten die Funktionäre den Coach von Atletico MG, Mario Sergio, der Sao Caetano noch zu Jahresbeginn trainiert hatte. "Einige wussten, dass Serginho Herzrhythmusstörungen hatte. Was da passiert ist, ist inakzeptabel. Dass der Spieler alles unterschreibt, um nur weiter Geld verdienen zu können, ist ja klar." Sao Caetanos Präsident Nairo Ferreira bestritt alle Vorwürfe.

"Ganz Brasilien steht unter Schock"
"An diesem Mittwoch machten Fußball und Tore keinen Spaß", schrieb die Online-Ausgabe der Zeitung "Estado de Sao Paulo", während der TV- Sportsender "ESPN Brasil" feststellte: "Ganz Brasilien steht unter Schock". Viele Fernseh- und Radiosender brachten bis weit nach Mitternacht Sonderprogramme über die Tragödie. Serginho, der mit bürgerlichem Namen Paulo Sergio Oliveira hieß, galt als einer der besten Innenverteidiger Brasiliens.

Serie von Tragödien
Erst vor gut einem Jahr hatte der Tod des Zweitligaspielers Max von Botafogo Riberao Preto nach dem Training Brasilien erschüttert. International für Aufsehen sorgten die Fälle von Marc-Vivien Foe (28), der am 26. Juni 2003 während des Spiels seiner Kamerun-Auswahl gegen Kolumbien beim Konföderationen-Pokal in Frankreich starb, sowie des Ungarn Miklos Feher (24) von Benfica Lissabon, der am 25. Jänner dieses Jahres während eines Spiels einem Herzinfarkt erlag.

(apa)

28.10.2004 10:31