Donnerstag, 11. November 2004

Yasser Arafats besonderes Verhältnis zu Österreich: Erste Aufwertung dank Kreisky

  • Mehrere Besuche Arafats in den Jahren 1979 bis 1999
  • Besuch 1998: "Geburtsstunde des Friedensdialogs"

Der palästinensische Präsident Yasser Arafat hatte zu Österreich, das er zwischen 1979 und 1999 mehrere Male besuchte, ein nach eigenen Worten sehr herzliches Verhältnis. Anlässlich einer Zusammenkunft mit dem verstorbenen Bundespräsidenten Thomas Klestil und dem damaligen Bundeskanzler Viktor Klima hatte er im Juli 1998 in Wien erklärt, dass für ihn die "Geburtsstunde des Friedensdialogs" in Österreich gewesen sei.

Am 7. Juli 1979 hatte Bundeskanzler Bruno Kreisky den Vorsitzenden der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) zu einem international viel beachteten Dreiertreffen mit dem Präsidenten der Sozialistischen Internationale (SI), dem früheren deutschen Bundeskanzler Willy Brandt, nach Wien eingeladen. Ein Jahr zuvor hatten Kreisky und Brandt in der österreichischen Bundeshauptstadt zusammen mit Israels Oppositionsführer Shimon Peres und dem ägyptischen Staatspräsidenten Anwar Sadat intensive Gespräche über eine Nahost-Friedenslösung geführt.

Offizielle Vertretung der PLO seit 1977
Bereits im Jahr 1977 hatte die PLO eine offizielle Vertretung in Wien eröffnen können, die erste in einem westeuropäischen Land. Kreisky vertrat den Standpunkt, dass Israel sich seinen Partner für einen Frieden nicht aussuchen könne. Nach der symbolischen Ausrufung eines palästinensischen Staates durch das Exilparlament, den Palästinensischen Nationalrat, 1988 hatte Österreich seinen Botschafter in Tunis im PLO-Hauptquartier mitbeglaubigt und gleichzeitig dem PLO-Missionschef in Wien den Botschaftertitel zuerkannt.

"In der Frage unseres Staates hat Österreich dank meinem Freund Bruno Kreisky auch in schwierigen Zeiten immer eine solidarische Haltung uns gegenüber eingenommen", sagte Arafat 1998 in Wien. Damals eröffnete Österreich auch eine Vertretung bei der palästinensischen Selbstverwaltung in Ramallah.

Arafat bei Kreisky-Begräbnis
Yasser Arafat, der im August 1990 offenkundig tief bewegt an Kreiskys Staatsbegräbnis teilgenommen hatte, stattete 1998 der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft einen offiziellen Besuch ab. Zuletzt war er im Oktober 1999 in Wien. Die Bundeskanzler Franz Vranitzky und Viktor Klima sowie Außenministerin Benita Ferrero-Waldner besuchten Arafat in Gaza. Vranitzky unterzeichnete 1996 ein Abkommen über die Finanzierung von Projekten in den palästinensischen Selbstverwaltungsgebieten in Höhe von mehr als 300 Millionen Schilling. Der heutige Bundespräsident Heinz Fischer suchte im Jänner 2002 als Nationalratspräsident den palästinensischen Präsidenten in Ramallah auf, im vergangenen Juni war FPÖ-Klubobmann Herbert Scheibner Gast in Arafats umzingeltem Hauptquartier.
(apa)

11.11.2004 08:15