"Mit Palästina verheiratet": Der lange Weg des Palästinenser-Chefs Yasser Arafat
- Vierzigjähriger Kampf für einen unabhängigen Staat
Der größte Wunsch des palästinensischen Präsidenten war "in Jerusalem zu beten". Yasser Arafat sagte das am 4. August 1999, seinem 70. Geburtstag. Er wolle beten "in der Hauptstadt eines palästinensischen Staates". Bis zu seinem Tod war der Friedensnobelpreisträger seinem Ziel keinen Zentimeter näher gekommen. Israel hielt ihn in Ramallah zwei Jahre de facto unter Hausarrest, die israelische Regierung ließ sogar wiederholt anklingen, den "Feind Israels" auszuweisen oder physisch zu beseitigen.
Je stärker Arafat von Israel brüskiert wurde, desto fester hat das palästinensische Volk zu seinem Präsidenten gehalten. Doch als die palästinensischen Gebiete in einen Strudel des Chaos gerieten, begehrten auch Verbündete gegen Arafat auf. Einst treue Anhänger wandten sich angesichts chronischer Vetternwirtschaft und Reformunfähigkeit enttäuscht von ihm ab. Die Untätigkeit gegenüber militanten Organisationen bescherte ihm im westlichen Ausland einen dramatischen Gesichtsverlust.
Arafats Nimbus wandelte sich vom charismatischen, weltweit akzeptierten Führer des palästinensischen Volkes zum offen kritisierten Autokraten. Nichtsdestotrotz blieb er für viele Palästinenser das Symbol ihres Freiheitskampfes. Mehr als 40 Jahre kämpfte Arafat an vorderster Front für einen palästinensischen Staat - erst war er Guerillaführer, dann Politiker, und seit der israelischen Belagerung seines Sitzes in Ramallah sah er sich als "Märtyrer".
Geboren wurde er 1929 als Rahman Abdel Raouf Arafat al Kudwa al Husseini in einer der ältesten Jerusalemer Patrizierfamilien. Der ausgebildete Bauingenieur gründete 1959 unter dem Decknamen "Abu Amar" die Fatah-Organisation, die sich den bewaffneten Kampf gegen Israel auf die Fahnen schrieb. 1969 wurde er als Nachfolger von Ahmed Shukeiri Präsident der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), deren stärkste Fraktion die Fatah ist.
Seit 1974 wird die PLO von den Vereinten Nationen als legitime Vertretung des palästinensischen Volkes anerkannt. Der österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky trug in den 70-er und 80-er Jahren dazu bei, dass Arafat in Europa zunehmend ernst genommen wurde. 1988 rief Arafat in Algier einen unabhängigen Staat Palästina aus, den zahlreiche Länder anerkannten. 1993 besiegelte er mit Israels Premier Yitzhak Rabin in Washington den israelisch-palästinensischen Grundlagenvertrag. Sein Wechsel vom bewaffneten Kampf an den Verhandlungstisch brachte Arafat 1994 - zusammen mit Rabin und Außenminister Shimon Peres - den Friedensnobelpreis. 1996 wurde er von den Palästinensern im Westjordanland und im Gaza-Streifen mit 87 Prozent der Stimmen zum Präsidenten der Palästinenser gewählt.
Die Macht hatte der "Rais" (arabisch: "Oberhaupt"), wie Arafat von seinem Volk respektvoll genannt wird, nicht mehr abgegeben, zuletzt aber teilen müssen. Unter internationalem Druck stimmte Arafat 2003 der erstmaligen Berufung eines palästinensischen Ministerpräsidenten zu. Mahmud Abbas (Abu Mazen) übernahm im April 2003 das Amt, reichte aber nach monatelangem Machtkampf mit Arafat seinen Rücktritt ein. Arafat wollte die Kontrolle über die Sicherheitsdienste nicht aufgeben. Als Abbas' Nachfolger holte sich Arafat seinen Weggefährten Ahmed Korei (Abu Ala), der für ihn schon mehrfach die Leitung heikler Verhandlungen mit Israel übernommen hatte.
Er sei "mit Palästina verheiratet", pflegte Arafat stets zu sagen. Verehelicht ist der Präsident seit 1992 mit seiner fast dreißig Jahre jüngeren früheren Assistentin Suha Tawil, die jedoch seit Beginn der zweiten Intifada im Herbst 2000 in Paris lebt. Suhas Mutter, die Schriftstellerin Raymonda Tawil, Leitfigur der palästinensischen Frauenbewegung, wurde 1981 in Österreich mit dem Bruno-Kreisky-Menschenrechtspreis ausgezeichnet.
Arafat hinterlässt eine neunjährige Tochter Zahwa ("Fest").
(apa/red)
Syrien13:12
UNO-Rüge nach MassakerSicherheitsrat richtet nach Massaker in Houla deutliche Worte an Regierung
Suu Kyi11:03
Erste AuslandsreiseNach 24 Jahren zum ersten Mal wieder ins Ausland: Suu Kyi reist nach Bangkok
Dalai Lama in Österreich14:12
Keine Angst vor ChinaAußenministerium reagiert auf Chinas Empörung betont gelassen
