Wahlen in Uruguay: Linkskandidat steht vor historischem Sieg!
- Vazquez könnte fast 180 Jahre dauernde Herrschaft der Traditionsparteien Colorado und Blanco beenden
Die Präsidenten- und Parlamentswahl in Uruguay ist am Sonntagabend ohne Zwischenfälle zu Ende gegangen. Bis zur Schließung der Wahllokale konnten 2,5 Millionen Bürger zwischen drei Kandidaten für das Amt des Staatschefs wählen.
Als Favorit galt Tabare Vazquez von dem linken Bündnis Frente Amplio. Seine Anhänger feierten den erwarteten Sieg schon den Tag über mit Hupkonzerten in der Hauptstadt Montevideo.
Prognosen aufgrund von Wählerbefragungen wurden eine Stunde nach Schließung der Wahllokale erwartet und verlässlichere Hochrechnungen etwa zwei Stunden später.
Bisher war es der Linken nie gelungen, die Konservativen von der Macht zu verdrängen. Die traditionellen Parteien der Colorados und Blancos sind seit der Unabhängigkeit 1830 fast ununterbrochen an der Regierung. Ihre Kandidaten Jorge Larranaga (Blancos) und Guillermo Stirling von der Colorado-Partei von Amtsinhaber Jorge Batlle konnten sich kaum Chancen auf einen Sieg ausrechnen.
Larranaga, ein ehemaliger Senator und Rechtsanwalt, hatte sich im Wahlkampf auf soziale Themen konzentriert und will die Arbeitslosenquote von rund 14 Prozent senken. Der frühere Innenminister Stirling setzt sich für die Beibehaltung der freien Marktwirtschaft ein und nimmt für seine Partei in Anspruch, das Land seit 2002 aus einer schweren Wirtschaftskrise geführt zu haben. Sollte keiner der Kandidaten mehr als 50 Prozent der Stimmen erreichen, kommt es Ende November zu einer Stichwahl.
Ein Sieg der Linken wurde auch als Folge einer Protestwahl gegen die Verarmung des einst wohlhabenden Landes interpretiert. Etwa 2,5 Millionen Menschen waren stimmberechtigt. Vazquez will Armut und Korruption bekämpfen und die Agrar- und Lebensmittelindustrie ankurbeln. Auch bei der Parlamentswahl und einem Referendum gegen die Privatisierung der Wasserversorgung zeichnete sich ein Erfolg der Linken ab. (apa)
