Im Pariser Pub "Harry's Bar" stimmen amerikanische Touristen für Demokrat Kerry
- Seit 1924 lag man in Harry's Bar nur einmal falsch
- Derzeitiger Stand: 282 Stimmen für Kerry, 204 für Bush
·Die Politik des Bush-Gegners
Standpunkte und politische
Ziele von Demokrat Kerry
·Österreich würde John Kerry wählen
58 Prozent für Kerry, nur 7 für George W. Bush
·Ex-Präsident Carter gegen Bush-Politik
Bush hätte die Amerikaner von andern Ländern isoliert
Geht es nach den Gästen der legendären "Harry's Bar" im Herzen von Paris, müsste John Kerry die Wahlschlacht gegen US-Präsident George W. Bush klar gewinnen. Denn in der "Bar der Amerikaner", die schon seit acht Jahrzehnten Schauplatz der speziellen "Wahl" ist, liegt Kerry mit 282 Stimmen in Führung. Für Bush wurden bis jetzt 204 Wahlzettel in die Wahlurne gegenüber dem Tresen geworfen.
Abgestimmt werden kann in der Bar bis vier Stunden vor Schließung der Wahllokale in den USA - später dürften alle gespannt auf die Großbildschirme mit den US-Wahlberichten blicken, manche vielleicht auch enttäuscht über den Wahlausgang tiefer ins Glas - schließlich erblickte hier die bekannte Bloody Mary (Wodka mit Tomatensaft) zum ersten Mal das schummerige Licht der Welt der Bars. Der Drink kostet 10,50 Euro, allzu große Bekümmernis kann also teuer zu stehen kommen.
Nur eine Fehleinschätzung seit 1924
Wie in der ältesten Cocktail-Bar Europas bei dieser - selbstverständlich nicht gültigen - "Strohwahl" (Straw Vote) abgestimmt wird, das wollen alle wissen, die sich für "Kerry versus Bush" interessieren. Denn das Bar-Votum, von dem damaligen Besitzer Harry MacElhone 1924 eingeführt, als die Amerikaner im Ausland noch kein Wahlrecht hatten, lag seitdem nur ein einziges Mal falsch: 1976 wählte man in "Harry's Bar" Gerald Ford. Es gewann Jimmy Carter. 2000 war Bush der Sieger - und zwar deutlich, ganz anders als in den USA.
Kerry lag immer in Führung
"Kerry lag immer vorn, der Vorsprung vor Bush hatte sich aber zwischendurch verringert", sagt Barmann Cyril und mixt ausnahmsweise eine Margarita (Tequila mit Limettensaft). "Die Amerikaner hier diskutieren wenig die US-Wahl, stimmen auch sehr diskret ab." Nicht so zurückhaltend sind Patty und John O'Neill aus North Carolina, denn der "amerikanische Riss" geht quer durch ihre 38-jährige Ehe: "Bush hat in Sachen Irak gelogen, die USA sind heute gespaltener denn je", macht sie beim Drink gegen den Bewohner des Weißen Hauses Front. Gatte John: "Er hat nicht gelogen, Kerry seinerseits hat die Vietnam-Veteranen in den Schmutz gezogen."
Demokraten reisen öfter nach Frankreich
Besitzerin Isabelle, verheiratet mit einem Enkel Harry MacElhones, scheint um das Image ihrer Abstimmungsinstitution zu fürchten, wenn sie erklärt: "Demokraten reisen heute mehr als die Republikaner, vor allem, wenn es nach Frankreich geht."
(APA/red)
