Donnerstag, 28. Oktober 2004

Verwirrung um Zustand von Arafat: Kampf mit dem Tod oder nur Schwächeanfall?

  • Palästinenser-Minister: "Wir bereiten uns auf alles vor"
  • Israel trifft bereits Vorkehrungen für den Todesfall

Unklarheit herrscht um den Gesundheitszustand des palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat. Berichte des israelischen Rundfunks, Arafat sei "seit Stunden" ohne Bewusstsein, wurden von palästinensischer Seite dementiert. Nach Angaben von Kommunalminister Jamal Shubaki ist Arafat weiterhin schwach, sein Zustand sei aber "stabil". "Es gibt keinen Anlass zur Besorgnis", meinte Shubaki.

Der Gesundheitszustand des 75-Jährigen hatte sich in der Nacht auf Donnerstag drastisch verschlechtert. Der stellvertretende PLO-Vorsitzende Mahmud Abbas und Ministerpräsident Korei eilten an das Krankenbett. Kommunikationsminister Assam al Ahmed sagte dem arabischen TV-Nachrichtensender "Al Jazeera": "Wir bereiten uns auf alles vor."

Israel lässt Arafat ausreisen
Israel wird Arafat zur medizinischen Behandlung ins Ausland reisen lassen. Ministerpräsident Sharon habe die Entscheidung nach einem Gespräch mit dem palästinensischen Ministerpräsidenten Korei getroffen, teilte ein israelischer Regierungsbeamter am Donnerstag in Jerusalem mit. Aus israelischen Sicherheitskreisen verlautete, Arafat könne im Anschluss an eine Behandlung wieder nach Ramallah zurückzukehren. In der Vergangenheit hatte die israelische Regierung erklärt, dass Arafat das Westjordanland zwar verlassen, aber möglicherweise nicht zurückkehren dürfe. Arafat steht seit Ende 2001 in seinem vom israelischen Militär umzingelten Amtssitz in Ramallah faktisch unter Hausarrest.

"Zu früh für eine Lobrede"
Korei rief Sharon in der Nacht an, nachdem sich Arafats Zustand verschlechtert hatte. Es war das erste Gespräch der beiden Politiker seit Monaten. Israels Außenminister Silvan Shalom sagte: "Es ist zu früh, um eine Lobrede auf ihn (Arafat) zu halten." Im israelischen Rundfunk stellte er fest: "Wir kennen den exakten Grund für seine Erkrankung nicht, ob es sich wirklich um eine Virusinfektion oder um einen bösartigen Tumor handelt, wie manche sagen."

Vorbereitungen für Todesfall
Israel trifft laut Medienberichten Vorbereitungen für den Fall, dass der palästinensische Präsident Yasser Arafat stirbt. Wie das israelische Radio am Donnerstag meldete, arbeiten die Streitkräfte einen Notfallplan aus, um auf mögliche Unruhen im Westjordanland und im Gaza-Streifen reagieren zu können. Kommunikationsminister Assam al Ahmed sagte dem arabischen TV-Nachrichtensender "Al Jazeera" (Katar): "Wir bereiten uns auf alles vor."

Bereits im Juli hatte die israelische Regierung Pläne für den "Tag nach Arafat" ausgearbeitet. Nach den bekannt gewordenen Richtlinien will Israel die Beisetzung Arafats auf dem Jerusalemer Tempelberg verhindern. Sein Leichnam solle in dem Jerusalemer Vorort Abu Dis begraben werden.

(apa/red)

28.10.2004 13:02