Mittwoch, 27. Oktober 2004

Erdbeben erschüttert erneut japanisches Katastrophengebiet: Zahlreiche Verletzte

  • Erschütterungen mit Stärke von 6,0 auf der Richter-Skala
  • Halbe Stunde nach Beben folgte Nachbeben mit 4,2

Japan kommt nicht zur Ruhe. Vier Tage nach dem schweren Beben im Norden des Landes ist die Katastrophenregion erneut von einem heftigen Erdstoß erschüttert worden. Fünf Menschen wurden bei dem Beben der Stärke 6,1 verletzt. Unterdessen bargen die Rettungskräfte am Mittwoch einen Zweijährigen und dessen Mutter, die seit Samstag unter Schutt und Geröll verschüttet waren. Das Kind war am Leben, der Zustand der 39-jährigen Frau war zunächst nicht bekannt.

Die Einsatzkräfte bemühten sich seit Tagen fieberhaft um die Rettung der dreiköpfigen Familie, deren Wagen bei dem Beben vom Samstag in der Präfektur Niigata von einem Erdrutsch begraben worden war. Ganz Japan nahm Anteil am Schicksal von Takako Minagawa und ihren beiden Kindern. Die Suche nach der dreijährigen Schwester des geborgenen Buben dauerte an. Der Vater war zum Zeitpunkt des Erdbebens in Tokio.

Helfer hörten am Mittwoch zunächst die Stimme Minagawas. Noch vor ihrer Bergung hieß es aber, sie habe keinen Puls mehr. Die Frau wurde ebenso wie ihr zweijähriger Sohn mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Zunächst war unklar, ob sie überlebt hat, wie ein Sprecher der Feuerwehr sagte.

Seit Samstag wurde die Katastrophenregion von mehr als 440 Nachbeben erschüttert. Das Epizentrum des Bebens von Mittwoch früh lag in Hirokami, einer Kleinstadt mit 9.200 Einwohnern rund 250 Kilometer nordwestlich von Tokio, und zwar in zehn Kilometern Tiefe. Die Meteorologische Behörde warnte davor, dass in den kommenden Tagen weitere Erdstöße ähnlicher Stärke folgen könnten.

In der Stadt Ojiya stürzte ein Haus ein, die 80-jährige Bewohnerin konnte unversehrt gerettet werden, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. Auch die Decke eines Fotogeschäfts sei eingebrochen, meldete der Rundfunksender NHK. Der Bahnhof in der Stadt Nagaoka sei nach der schweren Erschütterung einsturzgefährdet, teilte ein Bahnsprecher mit. Hunderte Reisende mussten Bahnsteige und Züge verlassen.

Der Erdstoß war heftiger als die Nachbeben der vergangenen Tage, die Erschütterungen waren bis nach Tokio zu spüren. Dem Fernsehsender NHK zufolge zerbarsten mehrere Wasser- und Gasleitungen. Der Flughafen von Niigata wurde vorübergehend geschlossen. In den Notunterkünften warfen sich zahlreiche Menschen zu Boden und schrien vor Angst. 25 Minuten nach dem ersten Erdstoß folgte ein Nachbeben der Stärke 4,2.

Seit dem Erdbeben vom Samstag, das 31 Menschen das Leben kostete, befinden sich noch immer mehr als 100.000 Menschen in Notunterkünften. Zehntausende Haushalte müssen ohne Strom und Fließwasser auskommen. Viele Straßen sind unpassierbar.(apa)

27.10.2004 11:51