Erschreckende Bilanz: 200.000 Frauen leben in Österreich in akuter Armut
- Halbe Million droht, in Leben ohne Geld abzurutschen
- Frauen gehen häufiger schlecht bezahlten Arbeiten nach
200.000 Frauen leben in Österreich in akuter Armut: Diese alarmierenden Zahlen präsentierte die Caritas. Über eine halbe Million sei zudem in Gefahr, in die Armut abzurutschen, das sind etwa 13 Prozent der weiblichen Bevölkerung. Die Gründe sind vielfältig: Viele verfügen nur über ein geringes Einkommen, haben Kinder zu versorgen oder bleiben in häuslichen Gewaltsituationen aus Angst, sonst auf der Straße zu stehen. Die Caritas startete am Montag eine Spendenaktion für Frauen in Not.
Im Vorjahr baten insgesamt 16.500 Menschen die Caritas um finanzielle Unterstützung, 61 Prozent davon waren Frauen, sagte der Wiener Caritas-Direktor Michael Landau. Die Hilfesuchenden waren meist Alleinerzieherinnen: 38 Prozent zogen ihren Nachwuchs allein auf, 32 Prozent der Caritas-Klientinnen haben sogar zwei oder mehr Kinder.
Die Hauptprobleme dieser Frauen waren Arbeitslosigkeit und Verschuldung, so die Caritas. An zweiter Stelle folgen psychische Probleme und Krankheiten. Betroffen sind vor allem Alleinerzieherinnen, Frauen in kinderreichen Familien, Pensionistinnen und Migrantinnen.
Frauen gehen auch häufiger schlecht bezahlten Arbeiten nach. Sie machen über 70 Prozent der geringfügig Beschäftigten aus. Der Grund dafür sind oft familiäre Sorgepflichten oder eine geringere Qualifikation. Das führt laut Caritas in vielen Fällen in eine Sackgasse ohne Auf- oder Ausstiegschancen - "Working poor" ist die Folge.
Caritaspräsident Franz Küberl forderte, das soziale Netz "endlich armutsfest" zu machen. Erneut plädierte er eine bundesweiten Harmonisierung der Sozialhilfebestimmungen. Der Regress existenzsichernder Leistungen gehöre zudem abgeschafft. Verlangt wurden auch zielgruppenspezifische Angebote für wohnungslose oder von Obdachlosigkeit bedrohte Frauen. (apa/red)
