Donnerstag, 28. Oktober 2004

Wenn nächsten Sonntag Wahlen wären...: SPÖ liegt in Umfragen leicht vor der ÖVP

  • 41 zu 38 % für die "Roten", Grüne mit 11% vor FPÖ (9%)
  • Opposition ist stärker als die Regierungskoalition

Würden jetzt im Herbst Nationalratswahlen stattfinden, ginge die SPÖ als Sieger vor der ÖVP hervor. Die derzeitige Opposition SPÖ und Grüne zusammen wäre stärker als die Regierungskoalition aus ÖVP und FPÖ. Das geht aus den Ergebnissen von zwei Umfragen hervor, die das Linzer Meinungsforschungsinstitutes IMAS am Donnerstag veröffentlichte.

IMAS führte zwischen Ende August und Mitte Oktober in Umfragen persönliche Interviews mit 2.379 repräsentativ für die Gesamtbevölkerung ausgewählten Personen durch. Beide Befragungen haben laut Meinungsforschern praktisch identische Ergebnisse vermittelt.

Demnach könnte bei einer jetzt stattfindenden Nationalratswahl die SPÖ mit rund 41 Prozent und die ÖVP mit 38 Prozent der Stimmen rechnen. Auf die Grünen würden etwa elf Prozent und auf die Freiheitlichen neun Prozent der Wähleranteile entfallen. Somit haben sich die Sozialdemokraten gegenüber der letzten Nationalratswahl im November 2002 laut IMAS um rund vier Prozent verbessert, die ÖVP hat in einem ähnlichen Umfang Stimmen eingebüßt. FPÖ und Grüne haben - mit Verlusten bzw. Gewinnen von zirka ein bis zwei Prozent - die Plätze getauscht.

Stabiler Trend über Monate
Die jetzt erhobenen Stimmenanteile würden keineswegs eine völlig neue politische Situation kennzeichnen, sondern einen Zustand, der sich in IMAS-Umfragen bereits seit einigen Monaten abgebildet habe. Ein berichteter Vorsprung der SPÖ vor der ÖVP im Ausmaß von acht Prozent könne auf Bundesebene seit rund einem Jahr nicht mehr beobachtet werden, hielten die Meinungsforscher fest. Es sei demgemäß auch nicht möglich, in die augenblickliche Wählerstimmung ein Absinken der Sozialdemokraten bzw. ein Aufholen der Volkspartei hineinzuinterpretieren. Es handle sich vielmehr um die "Fortdauer eines sozusagen chronisch gewordenen Stärkeverhältnisses der Parteien".

Die Kernerkenntnis bestehe laut IMAS darin, dass die Opposition in Summe die Regierung überwiege. Das Stärkeverhältnis betrage ungefähr 52 bis 53 zu 47 bis 48 Prozent.

SPÖ holt bei Jungen auf
Die SPÖ finde den mit Abstand stärksten Rückhalt weiterhin in Bevölkerungsgruppen "mit einfachem Zuschnitt", ihre Wählerschaft habe sich im Vergleich zu früher etwas verjüngt. Die ÖVP habe ihre vergleichsweise größte Anhängerschaft unter den - allerdings in der Bevölkerung nur mehr schwach vertretenen - Landwirten und bei den über 50-jährigen Österreichern. Sie besitze bei den Maturanten und Akademikern größere Anteile als die übrigen Parteien, so das Institut.

Die Grünen würden in der Bevölkerung polarisierende Empfindungen auslösen. Sie würden über besonders hohe Anteile an Personen unter 30 und Angehörigen der höchsten Bildungsschicht verfügen. Umgekehrt hätten Landwirte, Arbeiter, Personen mit einfacher Bildung und nicht zuletzt die Seniorengeneration eine auffallend geringe Neigung, die Grünen zu wählen. Die FPÖ habe "merklich an Profil verloren" und besitze laut IMAS in der Bevölkerung nur mehr "sehr undeutlich erkennbare Domänen", überdurchschnittlichen Anklang finde sie am ehesten bei den Facharbeitern.

Die oft sehr gegenläufigen Sympathiebekundungen für die politischen Parteien könnten sich auf bestimmte Koalitionsbildungen durchaus erschwerend auswirken, ist man beim Linzer Institut überzeugt. Das schwarz-grüne Modell Oberösterreichs könne nur schwer auf die Bundesebene übertragen werden. Sowohl innerhalb der Altersgruppen als auch der Berufskreise dürfte es nicht ganz leicht sein, die stark kontrastierenden Neigungen für diese Parteien zu harmonisieren. Aber auch eine rot-grüne Koalition hätte es vermutlich schwer, die Auffassungsunterschiede zwischen den Bildungsschichten der Wähler zu überbrücken, erwarten sich die Meinungsforscher.
(apa)

28.10.2004 11:39