Schlag gegen die organisierte Kriminalität:
Brutale Diebsbande in OÖ ausgehoben
- Schaden in der Höhe von 8,5 Mio. Euro angerichtet
- Vier Männer brachen in Schweiz zahlreiche Tresore auf
Ein Schlag gegen die organisierte Kriminalität ist den oberösterreichischen Sicherheitsbehörden im Zusammenwirken mit Schweizer Fahndern gelungen: Mitte Oktober wurden im Bezirk Freistadt an der Grenze zu Tschechien vier Rumänen gestellt, die eine Bande angeführt haben, die in der Schweiz mehrere Bankomat-Diebstähle begangen hat.
Die Täter seien äußerst brutal vorgegangen und hätten einen Gesamtschaden von rund 8,5 Millionen Euro angerichtet, berichtete Oberösterreichs Sicherheitsdirektor Alois Lißl in einer Pressekonferenz am Mittwoch in Linz.
Nachdem im Bezirk Freistadt in der Grenznähe bei Wullowitz seit 2001 wiederholt Kraftfahrzeuge gestohlen und Wochen später im selben Bereich in der Schweiz entwendete Autos sichergestellt worden waren, wurde die Kriminalabteilung eingeschaltet. Die Ermittler gingen zunächst von illegalen Grenzgängern aus, nahmen aber schließlich im Jahr 2003 Kontakt mit ihren Schweizer Kollegen auf, die mehrere Bankomat-Diebstähle gemeldet und eine Sonderkommission "Lasso" eingerichtet hatten.
"Tresor-Schlächter"
Die "Tresor-Schlächter", wie Lißl sie nannte, waren sehr brutal vorgegangen: Sie brachen in der Nacht in Banken ein, wickelten Stahlseile wie Lassos um die Geldautomaten und rissen diese aus ihren Verankerungen. Nach der Flucht, auf der sie die Bankomaten zum Teil Meter weit mitschleiften und die Geldautomaten wenn nötig auch vor fahrende Polizeiautos warfen, brachen sie die erbeuteten Safes in Wäldern mit Werkzeugen unter massiver Gewalteinwirkung auf. Dort campierten die mutmaßlichen Täter auch.
Entscheidende Erkenntnisse lieferte schließlich eine Beobachtung im Mai dieses Jahres in unmittelbarer Nähe zur tschechischen Grenze in Oberösterreich: In einer Unterführung an der Mühlviertler Bundesstraße (B 310) stiegen vier Männer aus einem Auto aus und konnten trotz sofort eingeleiteter Fahndung über die "Grüne Grenze" ins Nachbarland gelangen. Die Fahnder der Kriminalabteilung und des Freistädter Bezirksgendarmeriekommandos bauten daraufhin eine Informationsschiene rund um die Uhr mit der Schweiz auf, um Einreisefahrzeuge, Logistikdiebstähle und aufgebrochene Bankomaten zu registrieren.
Beamte schlugen am 23. September zu
Ab 23. September wurden zwei Zugriffsteams mit insgesamt 18 Beamten im Bereich der B 310 positioniert, die jede Nacht im Einsatz waren. Am 16. Oktober kurz vor 22.30 Uhr schlugen die Fahnder zu: Einem Auto wurde in der Unterführung der Weg abgesperrt, die Täter ergriffen die Flucht. Selbst die rumänisch ausgesprochene Warnung: "Halt! Stehen bleiben, Polizei! Hände hoch! Auf den Boden!" hielt sie nicht davon ab. Auch Stacheldrahtrollen des Bundesheeres konnten die Männer nicht stoppen. Einer von ihnen ergab sich nach einem Angriff mit Abwehrspray, die drei anderen flüchteten weiter.
Sie rannten auf zwei Beamten zu, einer von ihnen gab einen Warnschuss ab. Auch dadurch ließen sich die Flüchtenden nicht abschrecken. Einer von ihnen wurde von einem gezielten Schuss am Bein getroffen, auch ein Diensthund wurde eingesetzt.
Jüngster Täter ist 19 Jahre
Drei der mutmaßlichen Täter im Alter von 19 bis 41 Jahren - darunter Vater und Sohn - befanden sich am Mittwoch weiter in der Justizanstalt in Linz, einer in Behandlung im Allgemeinen Krankenhaus in Linz. Sie schweigen sich zu den Vorwürfen aus und sind nur in einem Bankomat- und einem Pkw-Diebstahl geständig. In Summe dürften 15 vollendete und mindestens zehn versuchte Diebstähle auf ihr Konto gehen. Sie könnten möglicherweise an die Schweizer Behörden ausgeliefert werden. Drei Tage nach der Aktion in Oberösterreich wurden in Frankreich drei weitere mutmaßliche Bandenmitglieder dingfest gemacht, auch in der Schweiz gab es eine Festnahme.
Derzeit seien kriminalpolizeiliche Überprüfungen in der Schweiz, in Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg und in Österreich im Gange, berichtete Lißl. Man habe den "Tresor-Schlächtern" einen "entscheidenden Präventivschlag" versetzt, unter Umständen könnte sich aber eine weitere Gruppe formieren, um quer durch Europa neue Beutezüge zu unternehmen.
(apa)
