Tödliche Trendwende: Im Jahr 2003 verunglückten deutlich mehr Menschen
- Heim, Freizeit und Sport sind gefährliche Spielfelder
- Bei Kindern sind Verkehrsunfälle Todesursache Nr. 1
Die guten Jahre sind vorbei: der durchgehende Trend zum Rückgang tödlicher Unfälle, den Österreich seit den 90er Jahren verzeichnen konnte, ist gebrochen. 831.000 Menschen verunglückten im Jahr 2003, 2.557 davon tödlich, lautet die alarmierende Bilanz der Unfallstatistik 2003, die am Mittwoch von Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (V) gemeinsam mit Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratorium für Verkehrssicherheit und Dr. Rupert Kisser, Leiter des Instituts "Sicher Leben", in Wien präsentiert wurde.
Im Jahr 2003 verunglückte somit jeder zehnte Österreicher. Auch die Statistik für das erste Halbjahr 2004 lasse keine Verbesserung erkennen, meinte Thann. Besonders beunruhigend sei der Anstieg der durch Unfälle getöteten Kinder um 37 Prozent und Senioren um 14 Prozent, betonte Rauch-Kallat. Die Anzahl der tödlichen Seniorenunfälle sei damit wieder auf den Stand des Jahres 1994 zurückgefallen, die der tödlichen Kinderunfälle auf den Stand von 1998. Einen möglichen Grund für diesen negativen Trend sah die Gesundheitsministerin zum Beispiel in der steigenden Lebenserwartung und der damit verbundenen erhöhten Unfallgefahr bei älteren Personen.
Auffallend sei weiters, dass die Bereiche Heim, Freizeit und Sport zum gefährlichen Spielfeld avancieren. Mit 72 Prozent entfällt der größte Teil der Unfälle auf diesen Bereich, 21 Prozent ereigneten sich bei der Arbeit und in der Schule und lediglich sieben Prozent im Straßenverkehr. Bei Kindern sind Verkehrsunfälle die Todesursache Nummer eins. Es sei unverantwortlich, dass viele Eltern ihre Sprösslinge noch immer ohne geeigneten Kindersitz oder Gurt durch die Gegend kutschieren, meinte die Gesundheitsministerin. Auch das Wasser kann zur tödlichen Gefahr für den Nachwuchs werden: zwölf Kinder unter fünf Jahren ertranken im Jahr 2003.
Für Hochbetagte enden vor allem Stürze tragisch. Es sei hier unbedingt erforderlich riskante Stolperfallen, wie ungesicherte Stiegen oder rutschende Teppiche zu entfernen, sagte Kisser. Insgesamt müsse die Gesellschaft besser über mögliche Gefahrenquellen informiert werden. Thann forderte daher ähnlich intensive Präventionsarbeit wie in der Verkehrssicherheit auch für den Bereich Heim, Freizeit und Sport.
Die Gesundheitsministerin plant in diesem Zusammenhang einen bundesweiten, bewusstseinsbildenden Aktionsplan zur Unfallverhütung, der die kontinuierliche Senkung der Zahl der Verunglückten zum Ziel hat. Viele Schutzmaßnahmen seien einfach und praktikabel und damit für jeden umsetzbar. Sicherheitsmaßnahmen in der Freizeit seien keine Spaßbremse, sondern würden den Spaß vielmehr erst ermöglichen, so Kisser. Darüber hinaus könnten Unfallfolgekosten von 3,7 Milliarden Euro jährlich wenigstens zum Teil vermieden werden, so Kisser.(apa)
