Dienstag, 19. Oktober 2004

Österreich ist Land der Drängler: Prototyp ist männlich, gut situiert, stark motorisiert

  • Bereits jeder zweite Autobahn-Crash ist ein Auffahrunfall
  • Kuratorium fordert jetzt mehr Mindestabstand per Gesetz

Auf Österreichs Straßen herrscht Rowdytum in Reinkultur. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit. Demnach mangelt es den Österreichern an Abstandsmoral - Der Prototyp des Dränglers ist dabei männlich, gut situiert und vor allem stark motorisiert. Nun fordert das Kuratorium Abstand per Gesetz.

Eine Untersuchung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit zeigt die mangelnde Abstandsmoral der schnelleren Fahrer: So hält sich auf der Überholspur nicht einmal jeder Zweite an einen Abstand von zwei Sekunden. Mit zunehmender Geschwindigkeit schrumpft de facto sogar der Sicherheitsabstand zwischen den Fahrzeugen. Doch die menschliche Reaktionsfähigkeit hat ihre Grenzen, die moderne Fahrzeugtechnik auch. Was nützt der beste Airbag, wenn bei 130 km/h eine Zeitlücke von nur einer Sekunde das eigene Fahrzeug vom Vordermann trennt?

Rowdytum in Reinkultur
Den Vordermann aggressiv vom Fahrstreifen zu drängen bedeutet eine ernste Bedrohung Unschuldiger - Rowdytum in Reinkultur. Wird der Auffahrer erwischt, droht ihm allerdings auch so einiges: der Verlust des Führerscheins für mindestens drei Monate, eine Geldstrafe bis zu EUR 2.180,- und im schlimmsten Fall auch ein Gerichtsverfahren - mit einer Strafdrohung von bis zu einem Jahr Freiheitsentzug.

Prototyp des Dränglers
Der klassische Auffahrer ist männlicher Vielfahrer mittleren Alters, beruflich gut situiert, mit langjähriger Fahrpraxis und zumeist stark motorisiert unterwegs. Eine europaweite Studie der Einstellungen von Autofahrern in Sachen Straßenverkehr hat gezeigt: Wiederholte Auffahrer verfügen über rund 11 bis 25 Jahre Fahrerfahrung, legen im Jahr rund 15.000 bis 20.000 km am Steuer ihres Pkw zurück und fahren bevorzugt starke Autos mittlerer bis höherer Hubraumklasse.

Risiko Auffahrunfall
Rund 40 Menschen verunglücken pro Tag auf Österreichs Straßen bei Auffahrunfällen - mit schweren Verletzungen oder gar tödlichen Folgen. Im ersten Halbjahr 2004 wurden österreichweit bei Auffahrunfällen 7.256 Menschen verletzt und 39 getötet. Jeder vierte Verkehrsunfall ist ein Auffahrunfall, auf Autobahnen gar jeder zweite. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit schlägt Alarm und fordert Abstand per Gesetz.

Mindestabstand per Gesetz
Das KfV fordert folgenden Mindestabstand per Gesetz: Bei Fahrgeschwindigkeiten von mehr als 50 km/h mindestens eine Sekunde, bei Geschwindigkeiten von mehr als 100 km/h mindestens 1,5 Sekunden. Dies sind allerdings absolute Mindestforderungen - die generelle Empfehlung der KfV-Experten lautet: bis 50 km/h eine Sekunde, bis 100 km/h zwei Sekunden und über 100 km/h drei Sekunden Sicherheitsabstand - optimale Fahrbedingungen vorausgesetzt. (red)

19.10.2004 22:21