Donnerstag, 21. Oktober 2004

Südkorea plant ein Mega-Projekt: Die Hauptstadt Seoul soll verlegt werden

  • Massive Proteste gegen Pläne der Regierung Roh
  • War Versprechen des Präsidenten im Wahlkampf

Die südkoreanische Regierung plant ein Megaprojekt: Die Hauptstadt Seoul soll verlegt werden! Die Pläne gehen auf ein Versprechen von Präsident Roh Moo Hyun im damaligen Wahlkampf zurück, der damit den wachsenden Druck von der Hauptstadt nehmen und eine "ausgewogene Entwicklung des Landes" ermöglichen will. Außerdem ist die Stadt dem Präsidenten zu nahe am Erzfeind Nordkorea.

Das Verfassungsgericht in Südkorea hat die Regierungspläne zur Verlegung der Hauptstadt gestoppt. Ohne Volksabstimmung sei ein Umzug verfassungswidrig, befanden die neun Richter am Donnerstag in Seoul. Die Entscheidung gilt als schwere Niederlage für die Politik von Präsident Roh Moo Hyun.

Das Verfassungsgericht folgte dem Antrag von 170 Kritikern des Umzugsplans, das im Dezember vergangenen Jahres verabschiedete Gesetz zu überprüfen. Die Verlegung der Hauptstadt ist ein Wahlversprechen des Präsidenten von 2002.

Die Regierung will mit der Verlegung den wachsenden Druck von Seoul nehmen und "eine ausgewogene Entwicklung des Landes" ermöglichen. Ein weiterer Grund ist auch die relative Nähe zu Nordkorea - die Grenzlinie ist nur 60 Kilometer entfernt. In Seoul leben rund zehn Millionen der insgesamt 48 Millionen Einwohner Südkoreas. Zusammen mit seinen Vorstädten entfallen rund 50 Prozent der Bevölkerung auf den Großraum Seoul. Die neue Hauptstadt sollte in der Region Yeongi-Gongji errichtet werden.
(apa/red)

21.10.2004 10:34