Reiseangebote werden immer extremer: Spannend, kurz und in künstlichen Welten
- Sehr billig oder extrem teuer: Hauptsache abenteuerlich
- Urlaub im All oder unter Wasser wird bald normal sein

·100 Buchungen für Urlaub im Weltraum
Geplant: Weltraumhotels, Aufzüge in den Himmel
·Hydropolis: Hotel ganz unter Wasser!
Erlebnishotel in Dubai eröffnet Weihnachten 2006!
·Urlaub in einer russischen Kaserne
Sonderbares Abenteuer kostet 60 Euro täglich
Hotels im All und Tagesausflüge zum Mond - frühere Visionen vom "Tourismus der Zukunft" hatten oft etwas von einem Science-Fiction-Film. Seit am 4. Oktober das "SpaceShipOne" zum zweiten Mal binnen einer Woche den Rand des Weltraums erreichte und damit den "X-Prize" gewann, haben solche Prognosen wieder Konjunktur.
Der Brite Sir Richard Branson will Hobby-Astronauten für 170.000 Euro pro Person zu Tausenden auf die Reise schicken. Auf der Erde boomen zugleich die Billigflieger. Beides passt nur auf den ersten Blick nicht zusammen. Denn Experten erwarten, dass Urlauber immer öfter Extreme suchen werden: Besonders teuer, besonders billig oder besonders ungewöhnlich soll es sein.
Hotel 400 Kilometer über der Erde
Massen wird der Weltraumtourismus nicht anlocken. Doch, dass es "etwa 2030 bis 2035" ein Hotel 400 Kilometer über der Erde gibt, hält Prof. Karl Born, Tourismusexperte an der Hochschule Harz, für realistisch. Die Kosten seien kein Problem: Schon heute zahlten Touristen für Weltreisen mit der "MS Europa" mehr als 100.000 Euro. Flüge an den Rand des Alls werden laut Born im Jahr 2020 sogar "so normal sein, dass die Medien nicht mehr darüber berichten".
Urlaub anders gestaltet
"Die Mehrheit der Bevölkerung wird auch in 20 Jahren nicht im All oder in Unterwasserhotels Urlaub machen wollen", dämpft Prof. Martin Lohmann, Leiter des Instituts für Tourismus- und Bäderforschung (NIT) in Kiel, zu hohe Erwartungen. Für die Deutschen werde es bei der Formel bleiben: Je gut ein Drittel macht Urlaub hier zu Lande und am Mittelmeer, der Rest vor allem im übrigen Europa. Die Art und Weise, wie die Urlaube organisiert und gestaltet werden, dürfte sich allerdings ändern.
Mehr kurze Reisen
Dabei werden die Menschen eher kürzer verreisen: "Eine Woche statt 14 Tage Thailand", nennt Born ein Motto der Zukunft. Auch dies gehöre zu der Polarisierung mit immer extremeren Reiseformen. Der Forscher spricht von einem "Verlust der Mitte": "Die klassische zweiwöchige Familienreise nach Teneriffa wird es immer weniger geben."
Lange für den Urlaub sparen
Klaus Laepple, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) in Berlin, sieht das ähnlich: "Der Trend wird sich verstärken, dass die Leute öfter mal kurz rauswollen, um aufzutanken." Auch dass viele Menschen wegen steigender Sozialabgaben und der kommenden Rentenbesteuerung jeden Euro häufiger umdrehen, stärke das Interesse an kürzeren Reisen. "Und es wird wieder etwas geben, das heute fast verpönt ist: lange für den Urlaub zu sparen."
Urlaub in künstlichen Welten
Noch stärker in Mode kommen wird Urlaub in künstlichen Welten wie Disneyland, sagt Born. Dort wisse der Urlauber, was er bekommt. "Das ist wichtig in Zeiten, in denen Zeit und Geld knapp werden, weil man sein Erlebnisrisiko minimiert". Die Richtung der Entwicklung zeige Dubai. Dort werden mehrere künstliche Urlaubswelten in den Wüstensand und ins Meer gesetzt, etwa die Hotelinseln "The Palm" oder die größte Hallen-Skisportanlage der Welt, die im Herbst 2005 eröffnen soll. Dort entstehe "Qualitätsurlaub in komplett neuen Dimensionen".
Auch Ältere reisen
Lohmann ist optimistisch, dass auch die Älteren der Zukunft oft und gerne auf Reisen gehen. Die Menschen nähmen "ihr Reiseverhalten meist aus der Lebensmitte mit ins Alter". Die heute 40- bis 55- Jährigen dürften also auch in 20 Jahren verstärkt den sonnigen Süden aufsuchen.
(apa/red)
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