Freitag, 22. Oktober 2004

Sommertourismus in der Krise: Weniger Nächtigungen wegen schlechtem Wetter

  • Vor allem die Deutschen suchen andere Urlaubsziele
  • Zuwächse nur in Wien, Niederösterreich und Salzburg

Der österreichische Sommertourismus, in der Branche auch als Sorgenkind des heimischen Tourismus bezeichnet, befindet sich wieder auf Talfahrt. Nach zwei Sommersaisonen mit Zuwächsen werde die Nächtigungsbilanz in der per Ende Oktober ablaufenden Sommersaison 2004 wieder negativ ausfallen, sagt der Tourismusexperte der Statistik Austria, Peter Laimer.

Die Zahl der Nächtigungen werde um etwa 2 Prozent rückläufig sein, schätzt Laimer. Dies sei vor allem auf das verregnete Wetter, das einen Rückgang bei deutschen Urlaubern und bei Inlandsurlaubern bewirkt habe, und weiterhin fehlende Schlechtwetterangebote zurückzuführen. Von Mai bis September 2004 ging die Zahl der Nächtigungen um 1,9 Prozent auf 54,5 Mio. Übernachtungen zurück. Im Oktober werde das Minus bei 0,5 Prozent liegen, prognostizierte Laimer.

Trend zu Kurzreisen
Die rückläufige Nächtigungszahl und die Stagnation bei den Ankünften, die sich von Mai bis September auf 13,6 Mio. (plus 0,2 Prozent) beliefen, unterstreiche den zunehmenden Trend zu Kurzreisen, betonte Laimer. Diese Entwicklung habe im Sommer auch zu einem Plus bei Städtereisen geführt: Wien verzeichnete im Sommer ein Plus von rund 8 Prozent, die Stadt Salzburg von 10 Prozent.

Inlandstourismus rückläufig
Rückläufig war im Sommer vor allem der Inlandstourismus, die Zahl der Nächtigungen von Österreichern ging von Mai bis September um 3,5 Prozent zurück, während die Zahl der Ausländer nur um 1,2 Prozent rückläufig war. Angesichts des schlechten Wetters und der günstigen Flugpreise hätten sich viele Österreicher doch für eine Reise in wärmere Gegenden entschieden, begründete Laimer den Rückgang.

Weniger Gäste aus Deutschland
Zu schaffen machte den österreichischen Touristikern im Sommer der Rückgang der Gäste aus Deutschland, die mit einem knapp 60-prozentigen Anteil an allen Auslandsnächtigungen die Hauptherkunftsnation stellen.

Mehr Urlauber aus Holland
Zuwächse wurden hingegen bei Gästen aus den Niederlanden (plus 2,8 Prozent), Italien (plus 2,6 Prozent), Großbritannien (plus 9,2 Prozent), Frankreich (plus 8,8 Prozent) und Belgien (plus 3,9 Prozent) verzeichnet. Die Zahl der Gäste aus den USA stieg um 18,3 Prozent, was sich auch auf den Städtetourismus positiv auswirkte. Zweistellige Zuwächse zwischen 10 und 20 Prozent wurden bei Gästen aus Osteuropa verzeichnet.

Gästezuwächse vor allem in Wien
Nur Wien, Niederösterreich und Salzburg können sich über Zuwächse bei den Gästeziffern freuen. Die Bundeshauptstadt verzeichnet ein Plus von acht Prozent. (apa)

22.10.2004 10:45