NEWS-Exklusiv: Die Hermann Maier-Memoiren, zweiter Teil: Den Tod vor Augen
- Es ist jetzt schon das Sportbuch des Jahres Hermann Maiers Autobiografie Das Rennen meines Lebens
Selten hat ein Sportstar so tief in seine Seele blicken lassen.
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Stolz drehte ich noch eine Runde am Parkplatz und entschwand in den lauen Sommerabend. Ganz gemütlich. Es war ja Genussfahren angesagt. Außerdem wollte ich den voll verchromten S&S-Motor auf den ersten 800 Kilometern auf keinen Fall überdrehen. Mein Outfit war dem Fahrzeugtyp angepasst. Gott sei Dank hatte ich eine robuste Harley-Lederjacke an. Meine Trainingsutensilien befanden sich in einem Hartschalenrucksack, den man im Winter sogar als Rodel verwenden kann. Der sollte mir wenige Minuten später das Leben retten!
Während ich durch die Kehren der Passstraße tuckerte, sinnierte ich über das Skitraining in Chile, über meine Topform und darüber, wie leicht mir alles von der Hand ging. Wer oder was sollte mich stoppen?
Ein paar Augenblicke später war alles anders. Ich lag im Straßengraben und hielt meinen Oberschenkel. Den Leuten, die an der Unfallstelle auftauchten, muss sich ein grauenhaftes Bild geboten haben: Die Knochen standen aus den zerfetzten Jeans, überall Blut und ein Fuß, der nicht mehr dazugehörte. Einen Turnschuh hatte es mir weggerissen, ich sah nur mehr den zerfledderten Socken. Das schaute nicht gut aus! Der Unterschenkel nur mehr an ein paar Fasern! Ich stand unter Schock. Was ich in diesem Moment fühlte? Schwer zu beschreiben. Die Schmerzen hielten sich in Grenzen, aber ich wusste, dass es mich böse erwischt hatte.
Wie konnte ich die fatale Situation unter Kontrolle bekommen? Zuerst versuchte ich, die Zehen zu bewegen. Ich wusste: Wenn das noch funktioniert, dann müssen zumindest ein paar Nerven und ein paar Muskelfasern ganz geblieben sein. Okay, das klappt. Zum ersten Mal war ich erleichtert, denn ich wusste, dass der Rücken nichts abbekommen hatte!
Mehr Sorgen machte mir zu diesem Zeitpunkt mein Gesicht. Denn im Hintergrund hatte ich einen Lichtmast registriert, was mich zu einer schrecklichen Vermutung veranlasste: Ich muss dagegengeschlagen sein und mir dabei die Nase und einen Teil vom Gesicht weggerissen haben! Dass mir ständig Blut in die Augen rann, sodass ich rechts gar nichts mehr sehen konnte, machte das Ganze noch schlimmer. Mit der Zunge ertastete ich, dass meine oberen Schneidezähne fehlten. Deswegen interessierte mich in diesem Augenblick nur eines: Wie reagieren die Leute auf meinen Anblick?
Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Als ich aufwachte, dachte ich, ich wäre eben erst eingeschlafen. Dabei war es schon nach sechs Uhr in der Früh, und das Medizinerteam wusste noch nicht, wie mein Körper die Strapazen der siebenstündigen Operation überstanden hatte. Sieben Stunden! Ich verstand nicht, was da so lange gedauert hatte. Ich fühlte nichts. Keinen Schmerz, zwischen Gehirn und Gliedmaßen schien es keine Verbindung zu geben. Dann dieser völlig absurde Gedanke: Bin ich etwa schon geheilt? Langsam holte mich die Umgebung zurück aus meiner Traumwelt.
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