Mittwoch, 20. Oktober 2004

Opel-Drama: Job-Motor stottert

  • Wird Auto-Krise jetzt auch in Österreich zum Jobkiller?
  • Streiks, Jobabbau & Absatzkrise lösen Kettenreaktion aus

Crash-Alarm: Magna & Co sichern 175.000 (!) heimische Jobs.
In Wien-Aspern, wo täglich Tausende gut geölte Motoren gefertigt werden, knirscht seit Wochenbeginn Sand im Getriebe. Droht das deutsche Opel-Virus auf das heimische General-Motors-Werk überzugreifen, steht viel auf dem Spiel:

Es geht um 400.000 Motoren und 600.000 Getriebe, die jährlich an die übrigen Opel-Werke in ganz Europa geliefert werden. Durch den Abbau von 10.000 Stellen in Deutschland und die angedrohte Schließung des Standorts Bochum könnte eine verhängnisvolle Spirale in Bewegung geraten.

Gefahr für Österreich? Die 2.000 General-Motors-Mitarbeiter in Österreich schalten vorsorglich die Warnblinkanlage ein. Am Dienstag standen die Montagebänder für drei Stunden still. Hinter der Solidaritätsaktion mit dem gefährdeten Werk in Bochum stecken aber begründete Ängste um die eigenen Arbeitsplätze. Hauptabnehmer der in Österreich gefertigten Opel-Teile sind zwar spanische und italienische Werke, aber Opel-Austria-Boss Werner Hackl kann Überkapazitäten nicht ausschließen: „Durch die enge Vernetzung ist es theoretisch und auch praktisch möglich, dass ein Standort den anderen lahm legt. Ich hoffe aber, dass bald die Vernunft zurückkehrt, denn noch gibt es keine konkrete Gefährdung für österreichische Arbeitsplätze.“

Aufregung in Graz. Neben Opel sorgt auch Chrysler für Aufregung in der heimischen Auto-branche. Die Produktionsverträge mit Magna Graz für Voyager und Jeep Grand Cherokee sollen nach ihrem Auslaufen nicht mehr verlängert werden. Magna-Chef Siegfried Wolf ist dennoch optimistisch, dass die Sparwelle nicht auf sein Unternehmen überschwappen wird: „Wir haben noch keinen einzigen Auftrag verloren. Wir dürfen an jeden Hersteller liefern und werden immer mehr leisten, um im Wettbewerb zu bestehen. Mit Holzschnitzen allein werden wir den Lebensstandard in Österreich nicht halten können.“ Und Unkenrufen, die vom Ende der Autofertigung in Österreich sprechen, entgegnet er: „Der größte Energiespender nach der Sonne ist der Neid!“

Jobmaschine Austro-Auto. Die Aufregung ist verständlich, denn immerhin hängen an der heimischen Automobilindustrie 175.000 Arbeitsplätze. „Österreich hat heute zweifellos das Niveau eines automobilen Herstellerlandes. Einschließlich der gewerblichen Hersteller und der Zulieferunternehmen gibt es 700 Unternehmen, die im Wert von 21,8 Milliarden produzieren“, macht BMW-Austria-Boss und Branchensprecher Felix Clary die wirtschaftliche Bedeutung klar.

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20.10.2004 15:24