Mittwoch, 20. Oktober 2004

Verlorene Kinder: Wissen Sie, wo Ihr Kind gerade ist? Teil 1 der neuen NEWS-Serie

Ausgerissen – entführt – ermordet: Fast 200 Kinder sind abgängig – für die Eltern ein Alptraum. Viele tauchen schon nach kurzer Zeit wieder auf. Oder sie sind – und bleiben – für immer verschwunden.

Bringt das „Geständnis“ eines Pädophilen nun Klarheit über das Schicksal von Natascha Kampusch? Am 26. Juli 2004 outet sich jedenfalls „AbartigstM“ im Separee eines Erotik-Chats gegenüber seiner Chatpartnerin „Selina-w“ als „Kinderschänder und Klein-Mädchen-Mörder“. Er habe sich, so „AbartigstM“ im Internet, „mehrfach – stundenlang – an Natascha vergangen“. Das Finale: „Etwa eine Woche nachdem ich sie entführt habe, habe ich sie umgebracht.“

Der Bruder von „Selina-w“ übergab das Material der Kriminalpolizei. Deren Urteil: „AbartigstM“ sei als Spinner amtsbekannt, ein Verbalperverser mit Tendenzen zur Selbstbezichtigung. Er habe sich im Internetseparee schon mehrmals als Schänder und Mörder geoutet. Mit dem Fall Natascha habe „AbartigstM“ aber nichts zu tun. Der spektakulärste Fall eines vermissten Kindes bleibt somit weiterhin ungeklärt.

Kriminalfall Natascha. Natascha Kampusch verschwand am Montag, dem 2. März 1998, auf dem Weg zur Volksschule spurlos. Die damals Zehnjährige verließ gegen sieben Uhr die Wohnung ihrer Mutter am Rennbahnweg in Wien-Kagran. Dem Abschied war ein kleiner Streit vorangegangen, der – ausgelöst durch eine vergessene Brille – eskalierte: Mutter Brigitte Sirny hat dem Kind „eine auf den Mund g’haut“, Natascha verließ grußlos die Wohnung – und ist seither nicht mehr aufgetaucht. Eine Schulkollegin hat einen Mann beobachtet, der Natascha in einen weißen Kastenwagen gezerrt habe. Die Polizei startete daraufhin eine der größten Fahndungen in der österreichischen Kriminalgeschichte. Die Besitzer von 743 weißen Kastenwägen wurden überprüft, weit über 2.000 Hinweisen – darunter auch jenen von Abartigen, Selbstbezichtigern (vom Typ „AbartigstM“), Hellsehern und Querulanten – wurde nachgegangen.

Vergebens: Natascha Kampusch bleibt bis zum heutigen Tag verschwunden. Der Polizeiakt umfasst mittlerweile 103 Ordner. Neuerdings überprüfen die Kriminalisten auch mögliche Verbindungen zum französischen Serienmörder Michel Fourniret. Bisher ohne Erfolg.

„Alptraum“. Für den Wiener Kriminaldirektor Hofrat Roland Horngacher ist der „Fall Natascha“ ein kriminalpolizeilicher „Alptraum“. Und der zuständige Ermittler Brigadier Nikolaus Koch ergänzt: „Wir haben alles getan, was wir konnten. Aber solange keine neuen Spuren auftauchen, können wir diese Causa nicht zu Ende bringen.“ Nachsatz: „Allerdings glaube ich fest daran, dass alle verschwundenen und vermissten Kinder irgendwann einmal auf irgendeine Weise auftauchen.“
Natascha Kampusch wäre heute 16 Jahre alt.

Die ganze Story lesen Sie im neuen NEWS

20.10.2004 15:06