Der Plassnik-Coup: Was die neue Ministerin wirklich kann

Schüssels Frauen-Ass: Wie Wolfgang Schüssel seine langjährige engste Weggefährtin im Alleingang in die Regierung holte. Und warum er ihr blind vertraut.
Das erste Interview: Die neue Außenamts-Chefin Ursula Plassnik über ihren Politik-Stil, erste Auslandsreisen & ihr früheres Leben als Kanzler-Schatten.
Das Projekt Plassnik wurde keineswegs, wie es Bundeskanzler Wolfgang Schüssel glauben machen wollte, in nur einer Woche realisiert. Tatsächlich bestätigen Spitzendiplomaten auf dem Wiener Ballhausplatz, aber auch etliche Granden der Kanzlerpartei, dass die Inthronisierung der 48-jährigen blonden Kärntnerin vom Meisterstrategen Schüssel schon seit Jänner dieses Jahres angebahnt wurde. Ein politisches Schauspiel in mehreren Akten:
Teil 1 des Plans. Im Jänner 2004 nominierte die ÖVP Außenministerin Benita Ferrero-Waldner als Bundespräsidentschafts-Kandidatin. Damit stand für Schüssel fest, dass er Ferrero verlieren würde entweder in die Hofburg oder nach Brüssel. Ebenso klar war allein für ihn, dass er seine engste Vertraute, Kabinettschefin Ursula Plassnik, auf den Schild heben wollte. Bloß: Direkt vom Kanzlerbüro Minister zu werden schickt sich nicht. Daher wurde die Karrierediplomatin ebenfalls im Jänner 2004 als Botschafterin in Bern zwischengeparkt. Ein Diplomatenkollege Plassniks zu NEWS: Es war von Anfang an klar, dass die Ursula kommt. Bern war lediglich die Cool-down-Phase für sie, um nicht aus dem direkten Umfeld Schüssels aufzusteigen.
Teil 2 des Plans. Während sich der Kanzler nach Ferreros Wechsel in die EU-Kommission noch im Sommer in Geheimniskrämereien erging, wer denn nun Außenminister würde, schossen die Gerüchte ins Kraut. Eine Hand voll Namen wurden genannt aber eigentlich war immer klar, dass Ursula Plassnik seine Top-Favoritin ist. Gerüchte, sie würde sich weigern, wurden gezielt gestreut. Grund: Der Kanzler wollte Ferrero so lange wie möglich als Ministerin halten. Als Belohnung für zehn Jahre treueste Dienste, und auch aus pekuniären Gründen: Ihre verstärkte Brüssel-Reisetätigkeit zwecks EU-Kommission ging auf diese Weise noch auf die österreichische Payroll.
Teil 3 des Plans. Offiziell war es natürlich lediglich diplomatische Contenance, mit Ferreros Nachfolge solange zuzuwarten, bis diese ihr Parlaments-Hearing hinter sich gebracht hatte und die Kommission vor den EU-Abgeordneten faktisch stand. Das war letzte Woche der Fall. Daher: Schüssel zog nun seine Plassnik-Karte, von der in der ÖVP ohnehin niemand mehr überrascht war. Ein ÖVP-Vorständler: Ja, ihr Bern-Aufenthalt hatte Sinn, weil direkt als Kabinettschefin Ministerin zu werden macht politisch wirklich keinen guten Fuß.
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PLUS: Das erste Interview mit der neuen Ministerin
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