Mittwoch, 20. Oktober 2004

Holender nach "Carlos"-Tumult zu NEWS: Maßnahmen gegen Randalierer!

  • Jelinek-Oper zum "Fall Wurst" endgültig abgesagt

Staatsoperndirektor Ioan Holender kündigt für die Reprisen von Peter Konwitschnys umkämpfter "Don Carlos"-Inszenierung scharfe Maßnahmen an, sollte die Vorstellung wieder gestört werden. Das berichtet NEWS in der aktuellen Ausgabe.

Holender: "Ich lasse nicht zu, dass eine sehr kleine Minderheit durch unartikuliertes Herumbrüllen den Rest des Publikums terrorisiert. Es steht jedem frei, seine Meinung nach den Akten oder am Ende der Vorstellung zu äußern. Aber es steht niemandem zu, während der Vorstellung zu randalieren. Da werde ich künftig alle Maßnahmen ergreifen, es gibt eine Hausordnung hier, wie in jedem öffentlich zugänglichen Theater."

Holender ortet gelenkte Störaktionen von politisch bedenklicher Seite: "Der Wirbel hat schon am Vormittag durch Schmieraktionen begonnen, Vitrinen wurden verschmiert und mit Aufrufen zu ,anständigem’ Theater überklebt. Die Drohbriefe gegen mich gingen wieder los. Das bin ich seit der Nitsch-Inszenierung gewohnt, das berührt mich wenig. Ich bin auch nicht der Meinung, dass es sich vermehrt hat. Das ist die braune Konstante in unserem Land."

Jelinek-Oper abgesagt
Endgültig abgesagt wurde, so Holender in NEWS, die Opern-Koproduktion "Der Fall Hans W." von Olga Neuwirth mit dem Libretto von Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Hier sollte der Fall des Klagenfurter Arztes, Päderasten und Mörders Franz Wurst in einer "Don Giovanni"-Paraphrase thematisiert werden. Holender: "Herr Mortier und ich haben das Libretto abgelehnt, weil wir finden, dass damit nicht einmal eine Komponistin von der Genialität von Frau Neuwirth etwas bringen kann, was wir zeigen wollen. Der Brief von Mortier kam zwei Tage, bevor Elfriede Jelinek der Nobelpreis zuerkannt wurde, und ich habe mich dem Brief ausdrücklich angeschlossen. Dass wir das Libretto, das wir schließlich bezahlen sollen, schlecht finden, ist unser Recht und schmälert in keiner Weise die Wichtigkeit von Frau Jelinek, deren Nobelpreis ich auch für einen wichtigen symbolischen Akt betrachte und ausdrücklich begrüße. Ich hätte immer noch gern das ursprüngliche Projekt von Neuwirth und Jelinek, eine Oper über den NS-Psychiater Gross. Wir warten noch auf die Reaktion von Frau Neuwirth." Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek will allerdings aus Verärgerung nie wieder ein Opernlibretto schreiben.

"Enttäuscht und verletzt" zeigt sich Holender über die Nichterhöhung des Bundestheaterbudgets nach zehn Jahren Deckelung: "Ich empfinde das Vorgehen der Regierung als Missachtung der 3.000 Menschen, die in diesen Theatern arbeiten. Den Zuschuss zehn Jahre lang nicht zu erhöhen ist de facto eine Kürzung von 18 Prozent. Es ist tödlich, Sponsoren zu demotivieren. Wenn der Eigentümer nicht schätzt, was er hat, wird auch der Sponsor zögern. Die Sponsoren zahlen für die Wiener Staatsoper und nicht zur Verbesserung des Staatsbudgets. Es stimmt, ich habe Reserven, weil ich Leute, die sich hier zu Tode arbeiten, in einer Art und Weise bezahlt habe, wie ich es ab 2005 nicht mehr tun kann und werde." Holender weiter: "In derselben Stadt, in der diese Staatsoper steht, werden für den Umbau des Ronacher 50 Millionen Euro verschleudert, für die im Aussterben begriffene Gattung des Musicals, obwohl es schon ein großes, repräsentatives Haus dafür gibt. In derselben Stadt werden dem Regisseur Sellars zehn Millionen Euro für das Mozart-Jahr gegeben, ohne daß jemand weiß, was er damit vor hat. Auch das ist Steuergeld, und dem Steuerzahler ist es gleichgültig, ob er sein Geld an die Stadt oder den Bund überwiesen hat."

Die gesamte Story lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von NEWS!

20.10.2004 12:10