Samstag, 23. Oktober 2004

GM diskutiert über neue Europa-Struktur: Wird die Holding eine Aktiengesellschaft?

  • Opel-Gesamtbetriebsratschef verkündet mögliche Pläne

Der Betriebsrat des angeschlagenen Autobauers Opel verhandelt mit dem Mutterkonzern General Motors (GM) über eine neue Unternehmensstruktur. Es werde diskutiert, die europäische GM-Holding mit Sitz in Zürich in eine "Europäische Aktiengesellschaft" umzuwandeln, sagte Opel-Gesamtbetriebsratschef Franz der "Welt am Sonntag".

Franz glaubt, damit die Mitbestimmung der Arbeitnehmer sichern zu können: "Gleichzeitig spart GM mit der neuen Struktur Geld". Als Sitz für die neue Gesellschaft ist Brüssel im Gespräch. Nach dem Plan sollen die rund 100 europäischen Tochtergesellschaften mit unterschiedlichen Rechtsformen voll in dem neuen Unternehmen aufgehen.

"Wir würden bei anstehenden Entscheidungen und Problemen direkt mit der Europa-Führung verhandeln, wo dann alle Entscheidungen getroffen würden", wurde Franz zitiert. Die Umstrukturierung sei mit einer EU-Verordnung möglich geworden, mit der sich Unternehmen über nationale Grenzen und nach einheitlichen Regeln zusammenschließen dürfen, hieß es in dem Bericht.

Nach den Worten des Gesamtbetriebsrats werden die Verhandlungen über den GM-Krisenplan am Montag fortgesetzt. Der Konzern will allein in Deutschland 10.000 Stellen streichen. Franz äußerte sich optimistisch, dass betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen vermieden werden können.

Der "Wiesbadener Kurier" zitierte ohne Namensnennung einen früheren Opel-Mitarbeiter, der der Unternehmensführung schwere Fehlentscheidungen vorwarf. "Das Geld, das Opel heute fehlt, wurde zu einem großen Teil in früheren Jahren aus dem Fenster geworfen", sagte der Informant, der in der Opel-Finanzabteilung gearbeitet haben soll. So sei die Produktion von Kupplungen nach Italien ausgelagert worden, was den Konzern bis zu 70 Mio. Euro jährlich koste. Ein Opel- Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren. (apa)

23.10.2004 21:06