Dienstag, 19. Oktober 2004

Trotz Wirtschaftserholung: Aufschwung in Deutschland verliert 2005 wieder an Fahrt

  • Wirtschaftsforscher erwarten ein Wachstum von 1,5 %
  • EU-Stabilitätspakt wird zum vierten Mal gebrochen

In Deutschland hat sich die Wirtschaftserholung in diesem Jahr gefestigt, 2005 verliert der Aufschwung allerdings wieder an Fahrt. Die Bundesrepublik wird voraussichtlich zum vierten Mal in Folge den EU-Stabilitätspakt brechen. Am Arbeitsmarkt verbessert sich die Lage kaum. Das sind die Kernaussagen des Herbstgutachtens der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute.

Fünf der sechs Institute erwarten 2005 ein Wachstum von 1,5 Prozent, nach 1,8 Prozent in diesem Jahr. Für den Rückgang machen die Experten unter anderem den hohen Ölpreis, die zögerliche Binnennachfrage und die im nächsten Jahr geringere Zahl an Arbeitstagen verantwortlich.

Außerdem gehen die Forscher davon aus, dass Deutschland 2005 ein Staatsdefizit von 3,5 Prozent (rund 78 Mrd. Euro Schulden) ausweisen muss und damit zum vierten Mal in Folge die Drei-Prozent-Grenze des EU-Stabilitätspaktes überschreiten wird. Für dieses Jahr rechnen die Experten mit einem Schuldenberg von 83 Mrd. Euro, was eine Defizitquote von 3,8 Prozent bedeuten würde.

Die Mehrheit der Institute hat den deutschen Finanzminister Eichel daher zu einem schärferen Sparkurs aufgefordert. Eichel lehnt ein neues Sparpaket derzeit ab.

Der Arbeitsmarkt konnte nach Ansicht der Forscher von dem moderaten Wachstum in diesem Jahr nicht spürbar profitieren. Zwar nehme die Zahl der Beschäftigten seit Jahresbeginn langsam zu, dies sei aber vor allem eine Folge von Minijobs und Ich-AG. Eine "rasche und durchgreifende Besserung der Lage am Arbeitsmarkt" sei im nächsten Jahr wenig wahrscheinlich. (apa)

19.10.2004 13:20