Freitag, 22. Oktober 2004

GAK-Trainer Schachner nach dem 0:0 in Auxerre: "Wir sind noch reifer geworden"

  • Meistermacher redete Franzosen vorher bewusst stark
  • Kollmann: Dank Sieg der Rangers "ein perfekter Tag"

Der österreichische Fußball-Doublegewinner GAK hat am Donnerstag einen ersten Schritt in Richtung Top Drei der UEFA-Cup-Gruppenphase gemacht. Die Grazer erreichten in Gruppe F auswärts gegen Auxerre ein verdientes 0:0 und dürfen damit bereits nach der Auftaktpartie mit der Qualifikation für die Runde der letzten 32 liebäugeln. "Heute hat man gesehen, dass wir noch reifer geworden sind", war Schachner nach dem Punktgewinn zufrieden.

Die zahlreichen Auftritte der "Rotjacken" in den vergangenen Jahren auf internationalem Parkett haben laut "Schoko" ihre Wirkung nicht verfehlt. "Wir sind taktisch schon sehr weit und trauen uns jetzt auch auswärts gegen Top-Mannschaften etwas zu", lobte der Meistermacher seine Schützlinge, die im August an der Anfield Road gegen Liverpool einen historischen 1:0-Sieg gelandet hatten und vor einem Jahr Ajax in Amsterdam erst nach Verlängerung unglücklich 1:2 unterlegen waren.

Vor allem die Leistung seiner Kicker in der ersten Hälfte bereitete Schachner helle Freude. "Das war fast perfekt, da haben wir so ähnlich wie in Liverpool gespielt. Ich hatte schon fast Tränen in den Augen", war Schachner gerührt. "Meine Spieler haben das taktische Konzept hervorragend umgesetzt."

Doch auch Schachner selbst hatte seinen Anteil an dem Achtungserfolg der Grazer. Der 47-Jährige schickte an den Seiten mit Plassnegger/Standfest beziehungsweise Pogatetz/Majstorovic je zwei vor allem auf die Defensive bedachte Spieler aufs Feld, wodurch die gefürchteten Flankenläufe der Franzosen komplett unterbunden wurden. "Dort wollten wir die Räume eng machen, das ist uns sehr gut gelungen. Dadurch musste es Auxerre über die Mitte probieren, und dort waren wir souverän", freute sich der Coach.

Vor dem Spiel hatte Schachner angekündigt, mit Auxerres Trainerlegende Guy Roux in Österreich im Falle eines Sieges Fischen gehen zu wollen. "Die Einladung ist noch immer aufrecht, jetzt halt nur mehr an einem See, nicht an einem Fluss." Das 66-jährige Unikum zeigte zwar an einem gemeinsamen Angel-Trip mit Schachner eher wenig Interesse, sparte aber immerhin nicht mit Komplimenten für dessen Schützlinge. "Der GAK war genauso stark wie ich ihn erwartet hatte, er war uns vor allem körperlich überlegen", sagte der Betreuer, dem das Resultat noch etwas im Magen lag. "Ein Punkt ist für uns zu wenig."

Dass die Mannschaft aus der französischen 39.000-Einwohner-Stadt über weite Strecken nicht die Erwartungen erfüllte, kam für Schachner wenig überraschend, obwohl er Auxerre vor dem Aufeinandertreffen sogar zum leichten Gruppenfavoriten gestempelt hatte. Das 3:0 der Burgunder am vergangenen Samstag gegen Lens sei aber glücklich zu Stande gekommen, schon damals hätte Auxerre laut GAK-Coach einige Schwächen offenbart. "Ich habe die Franzosen bewusst stark geredet, um meine Mannschaft aufzurütteln", gab der Trainer zu. "Erster Gruppenfavorit sind die Glasgow Rangers".

Beim nächsten UEFA-Cup-Gegner Amica Wronki (4. November im Schwarzenegger-Stadion) dürfte ein Tiefstapeln im Vorfeld schon schwerer fallen, kassierten die Polen doch eine 0:5-Heimschlappe gegen die Rangers. Einen Versuch war es für "Schoko" trotzdem jetzt schon wert: "Gerade die vermeintlich einfachen Spiele sind die schwierigsten. Wir tun uns leichter, wenn wir das Spiel nicht machen müssen", sagte Schachner und erinnerte in diesem Zusammenhang an das Heimspiel vor einem Jahr gegen Vaalerenga, als sich der GAK nach einem 1:1 in Graz aus der ersten UEFA-Cup-Runde verabschieden musste.

Nun haben die Grazer jedoch gute Chancen, erstmals in der Klub-Geschichte noch im Frühjahr im Europacup vertreten zu sein. "Eigentlich war das für uns ein perfekter Tag, denn wir haben alle gehofft, dass die Rangers gewinnen", sagte Goalgetter Roland Kollmann, warnte aber auch vor verfrühtem Optimismus. "Träumen können wir immer noch, jetzt müssen wir erst einmal Wronki schlagen."


AJ Auxerre - GAK 0:0
Auxerre, Stade de l'Abbe Deschamps, 10.000, SR Fernando Carmona Mendez/ESP.

Auxerre: Cool - Sagna, Kaboul, Bolf, Grichting - Lachuer, Tainio, Cheyrou, Akale (76. Mathis) - Kalou, Mwaruwari (76. Pieroni)

GAK: Schranz - Plassnegger, Ehmann, Tokic, Pogatetz - Standfest (93. Ramusch), Muratovic (76. Aufhauser), Sick, Majstorovic - Bazina, Kollmann (89. Skoro)

Gelbe Karten: Keine bzw. Plassnegger, Kollmann
Die Besten: Bolf, Kalou bzw. Tokic, Sick, Bazina

(apa/red)

22.10.2004 10:27