Freitag, 29. Oktober 2004

Juventus mit Minimalisten-Fußball: Owen bei Real Madrids Sieg im Mittelpunkt

  • Drei Mal 1:0 reicht Juventus Turin für neun Punkte
  • Erstes Tor von Michael Owen für die "Königlichen"

Was kann man von Italiens Rekordmeister in der Champions League 2004/05 erwarten? Einen 1:0-Sieg und drei gut dotierte Punkte auf das Bankkonto. Juventus Turin zeigte am Dienstagabend am dritten Spieltag der Millionenliga gegen Bayern München einmal mehr angewandtes Ergebnisdenken in Reinkultur und steht nach dem dritten Minimal-Erfolg in Serie vor dem Achtelfinaleinzug.

Auch AS Monaco (2:1 gegen Olympiakos), Bayer Leverkusen (3:1 gegen AS Roma), Real Madrid (1:0 gegen Dynamo Kiew), Ajax Amsterdam (3:0 gegen Maccabi Tel Aviv) und Olympique Lyon (3:1 bei Fenerbahce) feierten Siege. Das englische Duo Liverpool (daheim gegen Deportivo La Coruna) und Manchester United (bei Sparta Prag) musste sich hingegen mit torlosen Remis zufrieden geben.

"Nedveds Tor ist Gold wert. Der Sieg über die Bayern lässt Juve abheben", feierte die "La Gazzetta dello Sport" den Siegestreffer des tschechischen Mittelfeld-Antreibers. Juventus-Coach Fabio Capello war hingegen über die Kulisse von nur 18.089 Fans im Stadio Delle Alpi (Kapazität: 67.229 Plätze) maßlos enttäuscht. Gegen Maccabi hatte es gar die Geisterbesucherzahl von nur 6.494 gegeben. "Das deprimiert mich. Wir sprechen über zwei großartige Teams, die sich eine größere Zuschaueranzahl verdienen", meinte Capello.

Befreiungsschlag versäumt
Auf der anderen Seite war für die Bayern die Reise nach Turin nicht der erhoffte Befreiungsschlag nach der Bundesliga-Heimschlappe gegen Schalke. Zuerst musste Sorgenkind Sebastian Deisler vorzeitig den Heimflug antreten und dann gab es trotz ansprechender Leistung auch international diesmal nichts zu holen. "Die Enttäuschung ist riesengroß. Wir haben hier gut gespielt und waren aus meiner Sicht die bessere Mannschaft", resümierte Bayern-Trainer Felix Magath.

Mit Michael Owen, Jacek Krzynowek und Roy Carroll standen auch drei Spieler von Österreichs WM-Qualifikationsgegnern im Mittelpunkt. Owen erzielte den entscheidenden Treffer beim Heimerfolg von Real gegen Dynamo Kiew und gleichzeitig sein erstes Tor in seiner Madrid-Zeit. Der englische Teamstürmer brachte damit das Starensemble wieder auf Kurs.

"Real zauberte eine halbe Stunde lang, dann musste es um den Sieg zittern", schrieb "Marca". In der Gruppe B liegen Dynamo, Real und Leverkusen nun mit je sechs Punkten gleichauf, da die Bayer-Elf im zweiten Gruppenspiel AS Roma trotz 0:1-Rückstandes noch 3:1 besiegte.

Krzynowek wieder überragend
Polens Team-Wirbelwind Krzynowek steuerte dabei den Treffer zum 2:1 bei und war sonst meist nur mit Fouls zu stoppen, die Roma-Spieler Panucci und De Rossi mussten dafür mit Rot vom Feld. "Er hat einen unglaublichen Lauf im Moment. Für mich war immer klar, dass er in Leverkusen zünden wird. Er ist hier jetzt richtig angekommen", lobte der ehemalige GAK-Coach Klaus Augenthaler seinen Flügelflitzer.

Nordirlands Nationalkeeper Carroll, der zuletzt in Belfast beim Tor von Christian Mayrleb nicht die beste Figur gemacht hatte, zeigte sich in Prag für ManU von seiner besten Seite. Während der "Wundersturm" Wayne Rooney und Ruud van Nistelrooy enttäuschte, hielt der Torhüter bei einigen Sparta-Chancen sein Gehäuse sauber. Durch das 0:0 verlor Manchester United die Führung in der Gruppe D an Olympique Lyon, da die Franzosen die Auswärtshürde bei Fenerbahce Istanbul mit 3:1 nahmen.

Daum in der Kritik
Die zweite Niederlage in Folge wurde am Bosporus vor allem Christoph Daum angelastet. "Das Kapitel Champions League ist seit gestern Nacht geschlossen", kritisierte "Sabah" den türkischen Meister und sah im Ex-Austria-Trainer den Sündenbock für den Niedergang: "Der Verantwortliche ist Daum." Die Zeitung "Hürriyet" warf dem deutschen Coach sogar vor: "Du hast deine Mannschaft nicht ordentlich vorbereitet."

Eine Torflaute herrscht derzeit beim Semifinalisten der Vorsaison, Deportivo La Coruna. Nach dem 0:0 in Liverpool sind die Galicier als einziges Team neben Maccabi Tel Aviv noch ohne Torerfolg. "Was ist nur aus Superdepor geworden?", rätselte "Marca" und "As" stellte fest: "Deportivo spielt italienischer als die Italiener." Mit dem schmeichelhaften Punktgewinn an der Anfield Road erhielt sich La Coruna immerhin die Chance auf ein Weiterkommen. (apa)

29.10.2004 15:31