Freitag, 22. Oktober 2004

Viele Neuerungen ab nächster Saison: "Alte Probleme" bleiben noch bestehen

  • Kombination wird an nur einem Tag durchgeführt
  • Frischer Wind durch Teambewerb bei Weltmeisterschaft

In Sölden beginnt am Wochenende die alpine Weltcup-Saison 2004/2005. In der es nun endlich die neue Eintages-Kombination geben wird, bei den Weltmeisterschaften in Bormio geht es erstmals auch um Team-Medaillen. Doch nicht alles ist eitel Wonne im Skisport. So haben die Bestrebungen, den Weltcup zentral zu vermarkten, nun einen neuerlichen Zwist zwischen dem Ski-Weltverband und dem ÖSV kreiert.

Es geht um die Zeitnehmung und Datenaufbringung im Weltcup, deren Rechte im Alpinbereich immer noch bei den nationalen Verbänden liegen. Die FIS will das aber zentral und mit Swiss Timing (Swatch) abwickeln. Österreich fürchtet jedoch finanzielle Einbußen und hat deshalb einen Dreijahres-Vertrag mit Siemens abgeschlossen. "Wir wollen eine globale Lösung und sind uns mit allen Ländern einig. Außer Österreich", bedauerte FIS-Marketingchef Christian Knauth.

Weil auch kein Kompromiss zu Stande gekommen ist, wird bereits ab Sölden bei den Österreich-Rennen - mit Ausnahme von Kitzbühel, das noch einen Vertrag bis 2006 hat - die Technologie, Timing usw. von Siemens abgewickelt. Der ÖSV gab am Freitag einen Dreijahres-Vertrag mit dem Formel-1-erfahrenen Unternehmen bekannt.

Zwar hofft Knauth noch immer auf eine Lösung im Sinne des Skisports, in Österreich winkt man aber ab. Die zentrale Vermarktung durch die FIS sei, ohne Zustimmung des nationalen Verbandes, ein Eingriff in die Rechte und man sei nicht bereit, finanzielle Einbußen hin zu nehmen, so die Erklärung des ÖSV. Demnach war "swiss timing" nicht bereit, für diese Rechte dem nationalen Verband eine entsprechende finanzielle Entschädigung zu entrichten.

Auch für WM-Siege soll es Geld geben
Sportlich gibt es hingegen erfreulich positive Entwicklungen. Die FIS will künftig auch bei Weltmeisterschaften Preisgeld, hat deshalb schon einmal zwei Millionen Franken (1,302 Mill. Euro) extra zurückgelegt. Vor 2011 ist ein WM-Preisgeld aber auf Grund der bestehenden Verträge eher nicht möglich.

Kombi-Bewerb wird auf einen Tag verkürzt
Im kommenden Winter wird es im Weltcup endlich die lange geplant gewesene Eintages-Kombination als eigenen Bewerb mit Abfahrt und Slalom (jeweils ein Lauf) geben. Bei den Herren in Wengen, bei den Damen in Santa Sicario. In Kitzbühel wird die Kombi aber weiterhin "klassisch" abgewickelt. Bei der WM in Bormio kommt es erstmals zur Austragung des - von Österreich ebenfalls ungeliebten - Teambewerbs, für den es Medaillen und Titel geben wird.

Eines der Ziele dieses Teambewerbes ist offenbar auch, die Abfahrt vor dem "Aussterben" zu retten. "Sonst könnte es sein, dass irgendwann nur mehr in zwei Ländern Abfahrtssport betrieben wird", so FIS-Herrendirektor Günther Hujara. Außerdem erwartet man sich Hochspannung von diesem Bewerb, der in Bormio noch mit Super G und Slalom abgewickelt wird, künftig aber auf alle Disziplinen ausgedehnt werden soll. "Da sind wir offen", so Hujara.

Maximal sechs Läufer/innen pro Nation starten beim Teambewerb in mehreren Heats (Damen und Herren auf dem selben Kurs) in jeweils umgedrehter Startreihenfolge des vorangegangenen Laufes. Die Teamchefs können die jeweiligen Starter unmittelbar vor dem jeweiligen Lauf nennen, Taktik wird also ein wichtiger - und damit neuer - Aspekt.

Olympia in Turin wackelt gehörig
Während Bormio offensichtlich all seine Probleme gelöst hat und in Sölden "grünes Licht" für die Weltmeisterschaft im Februar 2005 meldete, besteht für Olympia ein Jahr später aber offenbar doch berechtigte Sorge. Einige Bereiche haben große Verzögerungen, nicht zuletzt deshalb hat ja der für den Alpinbereich zuständige Österreicher Herwig Demschar dort das Handtuch geworfen und arbeitet nun exklusiv für Vancouver 2010.

"Sportlich sollte in unserem Bereich alles klappen, aber bezüglich der Unterbringung sind große Probleme zu erwarten", sorgt sich auch FIS-Präsident Kasper um Olympia in Turin. "Sie haben zu wenig Hotels in den Bergen und versuchen jetzt, private Quartiere anzumieten", weiß der Schweizer. Seine Sorge: "Wir stellen fast 50 Prozent der Medaillen-Bewerbe. Wenn das OK wirklich meint, dass man jeden Tag von Turin an- und abreist, sitzen die Menschen täglich fünf Stunden im Auto." (apa)

22.10.2004 15:54