Samstag, 23. Oktober 2004

Aamodt aus Sölden abgereist: Start käme nach seinem Knöchelbruch noch zu früh

  • Lasse Kjus nach Meniskus-OP dagegen wieder fit

Kjetil-Andre Aamodt, norwegischer Dauerbrenner im Ski-Zirkus, ist vor dem sonntägigen Riesentorlauf vorzeitig aus Sölden abgereist. Der Gesamt-Weltcup-Sieger 1993 leidet noch immer unter den Folgen eines vor einem Jahr erlittenen Knöchelbruchs und reiste am Donnerstagabend mit Schmerzen aus dem Ötztal ab, um daheim weiter zu trainieren. Im Gegensatz dazu will sein norwegischer Landsmann Lasse Kjus in dieser Saison wieder voll angreifen.

Seit Sommer 2004 verbindet die beiden norwegischen Ski-"Wikinger" Lasse Kjus und Kjetil-Andre Aamodt nicht nur ihre dicke Freundschaft, sondern auch dieselbe Skimarke. Die beiden 33-Jährigen sind im am Sonntag in Sölden beginnenden WM-Winter 2004/2005 auf Dynastar-Latten unterwegs (Aamodt wechselte von Nordica zu Dynastar), wollen ein gewichtiges Wörtchen im Rennen um die Kristallkugeln mitplaudern und vor allem einmal mehr als Großereignis-Spezialisten bei der WM 2005 in Bormio zuschlagen.

Gemeinsame Tests bringen beide weiter
Im Gegensatz zu Aamodt so gut wie fit gemeldet hat sich Kjus (Gesamt-Weltcupsieger 1996 und 1999), der sich nach der Abfahrt in Kitzbühel Ende Jänner 2004 einer Meniskus-OP unterziehen hatte müssen. Gleich zwei Mal unters Messer musste sein Stallgefährte Aamodt, der erst im September das Training auf Skiern wieder aufgenommen hatte. Das gemeinsame Testen und Entwickeln macht den beiden Routiniers Spaß. "Wir arbeiten permanent an neuen Lösungen, dabei ist eine zweite Meinung sehr, sehr wichtig", meinte Kjus, der in der vergangenen Saison als Gesamt-Weltcup-Leader verletzungsbedingt aussteigen hatte müssen.

Der Frust darüber hielt sich jedoch überraschenderweise in Grenzen: "Ich war nur ein bisschen enttäuscht. Es überwog die Freude über die bis dahin gezeigten Leistungen." Sollte der norwegische Glatzkopf an diese Leistungen anknüpfen können, dann wird er für Maier, Miller, Raich und Co. schwer zu schlagen sein. Kjus scheint bereit zu sein: "Ich bin für den Kampf mit den Österreichern gerüstet - ich hoffe, ich kann mithalten."

Kjus denkt schon an das Leben nach der SKi-Karriere
Was für Kjus nach der Verletzung folgte war eine dreimonatige Trainingspause, die er zum Auftanken der leeren Batterien verwendete. Im Sommer gab sich der Olympiasieger und dreifache Weltmeister dann einmal mehr mit einigen Freunden seiner großen Segelleidenschaft hin. "Mir ist das Leben neben dem Skifahren sehr wichtig. Beim Segeln auf dem Ozean genieße ich die Freiheit ohne Limits", so Kjus, der seit 2001 ein eigenes Segelboot besitzt.

Medaillenregen für die beiden "Elche"
Über die Jahre haben sich Kjus und Aamodt den Ruf von weltweit fast einzigartigen Medaillenhamstern erarbeitet, nur wenige schaffen es so wie die beiden "Norsker", sich bei WM und Olympia exakt auf den "Tag X" vorzubereiten. Im internen Medaillenduell führt Aamodt derzeit 19:16 - Kjus holte bisher vier Mal Gold (1 Olympia, 3 WM), sieben Mal Silber (3 Olympia, 4 WM) und fünf Mal Bronze (1 Olympia, 4 WM), Aamodt ist mit acht Mal Gold (3 Olympia, 5 WM), sechs Mal Silber (2 Olympia, 4 WM) und fünf Mal Bronze (2 Olympia, 3 WM) sogar Weltrekord-Halter.

Bitteres Detail am Rande: im August 2003 wurde Aamodts einzigartige Medaillensammlung gestohlen, von den 19 Medaillen fehlt nach wie vor jede Spur. Ein Norwegen-internes Medaillen-Wetteifern gibt es laut Kjus, dessen Saisonziel "eine WM-Medaille" ist, nicht: "Das ist nicht wichtig. Wichtig ist mir, dass ich als Skifahrer überlebe. Ich werde nämlich schön langsam alt, das Aufstehen wird immer härter." (apa)

23.10.2004 08:33