Freitag, 22. Oktober 2004

Weltcup-Auftakt im Ski-Zirkus: Sölden für Schröcksnadel noch kein echter Maßstab

  • Ehn: "Bin überzeugt, dass wir im RTL gut dabei sind"
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Am Wochenende findet in Sölden mit den Riesentorlaufbewerben der Auftakt zur Ski-Weltcup-Saison 2004/05 statt. Die Öffentlichkeit ist gespannt auf den ersten Vergleich der heimischen Stars mit der internationalen Konkurrenz. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel sieht dem ersten Rennen, das auf einem Gletscher ausgetragen wird, gelassen entgegen. "Wir haben dort schon gut abgeschnitten, oft auch weniger gut und der Rest der Saison war trotzdem okay." Sölden sei noch kein echter sportlicher Maßstab und lasse nur bedingt Rückschlüsse auf den weiteren Verlauf des Winters zu, erklärt Schröcksnadel weiter.

Mit einer Ausnahme haben Österreichs Ski-Herren im Winter 2003/2004 alle Weltcup-Kristallkugeln abgeräumt. Lediglich im Riesentorlauf musste die rot-weiß-rote Armada der Konkurrenz, größtenteils sogar deutlich, den Vortritt lassen. "Es gab Bedingungen, bei denen wir einfach nicht konkurrenzfähig waren", gestand Herrenchef Toni Giger ein. Mit Beginn der WM-Saison wollen die ÖSV-ler der von Riesentorlauf-Weltcup-Sieger Bode Miller (USA) angeführten Konkurrenz wieder den Kampf ansagen.

Von sieben Riesentorläufen gewannen Österreichs Herren, im "ewigen RTL-Ranking" mit 67 Siegen die Nummer eins, im vergangenen Winter lediglich einen. Für den Solo-Sieg sorgte Benjamin Raich in der Flachau. Ansonsten hatten Miller, Kalle Palander (FIN) oder die italienischen Riesentorlauf-Spezialisten Davide Simoncelli und Massimiliano Blardone das Sagen.

Im Vergleich zu den anderen Disziplinen sprechen die ÖSV-Zahlen eine deutliche Sprache: Im Riesentorlauf betrug die Sieghäufigkeit 14 %, in Abfahrt (58 %), Super G (43 %) und Slalom (27 %) war sie hingegen deutlich höher.

Arbeit am Defizit
"Bei aggressivem Schnee und unruhiger Piste war es offensichtlich, dass wir Probleme haben", analysierte Giger. In der Sommerpause versuchte man natürlich an diesem Defizit zu arbeiten, was sich jedoch mit Ausnahme einiger Trainingstage in Neuseeland als schwieriges Unterfangen herausstellte. Giger: "Minus zehn Grad zu simulieren, ist eben nicht ganz einfach."

Für ÖSV-Trainerkollege Gert Ehn, seit 1999 Gruppencoach für Slalom und Riesentorlauf, ist die Materialabstimmung (vor allem Ski und Schuh) das Um und Auf in dieser so anspruchsvollen Disziplin: "Die muss passen. Es muss überhaupt alles passen, um mit den Riesentorlauf-Spezialisten mitzuhalten." Ehn spricht damit die Tatsache an, dass sich Konkurrenten wie etwa Blardone, Simoncelli, Joel Chenal oder Frederic Covili (beide FRA) fast ausschließlich auf ihre Paradedisziplin konzentrieren, während das ÖSV-Team voll mit Allroundern ist.

"Werden ganz gut dabei sein"
Der Grazer ist aber guter Dinge, dass es diesmal mit der ersten RTL-Kristallkugel der ÖSV-Herren seit 2001 (Hermann Maier) klappen könnte. "Ich bin überzeugt, dass wir ganz gut dabei sind. Wir wollen so gut werden, wie wir einmal waren." Auch wenn es mit den Rücktritten von Stephan Eberharter und Heinz Schilchegger, hinter Benni Raich (4.) als Sechster der zweitbeste Österreicher im vergangenen RTL-Weltcup, zwei schmerzhafte Abgänge wegzustecken gilt.

Den Saisonauftakt in Sölden, nach dem es eine mehr als einmonatige Pause bis zu den Überseerennen gibt, will Ehn aber keinesfalls überbewerten: "Ein Gradmesser, mehr nicht." Wichtig sei viel mehr, dass das "Fine-Tuning" ab den Rennen in Amerika passe. "Denn da geht es dann im Riesentorlauf Schlag auf Schlag. Da muss die Form passen", so Ehn, der auf die dicht gedrängte RTL-Dezember-Serie mit den Rennen in Beaver Creek (4.12.), Val d'Isere (12.12.), Alta Badia (19.12) und Flachau (21.12.) verweist. (apa/red)

22.10.2004 15:55