Donnerstag, 21. Oktober 2004

Arbeitskampf in der NHL: Ausfall der kompletten Saison scheint unvermeidbar

  • Gehaltsobergrenze für Spieler im Mittelpunkt des Streits
  • Ohne Einigung ist Absage der Saison unvermeidbar

Der Arbeitskampf in der amerikanischen Eishockey-Profiliga (NHL) spitzt sich weiter zu. Die Absage der kompletten Saison scheint inzwischen kaum noch vermeidbar. Kommt es nicht bis spätestens 1. Dezember zu einer Einigung zwischen der NHL und den 30 Klubs auf der einen und der Spielergewerkschaft NHLPA auf der anderen Seite, ist eine Absage der Saison unausweichlich. Angesichts der unverändert starren Positionen ist eine Einigung bis zu diesem Termin aber mehr als unwahrscheinlich.

Als zusätzliches Druckmittel auf die Spielergewerkschaft NHLPA entschied die Ligenleitung in New York, angesetzte Spiele statt wie bisher 30 Tage künftig 45 Tage im Voraus abzusetzen. Offiziell heißt es, man wolle den Hallenbetreibern mehr Vorlaufzeit geben, die für NHL-Spiele reservierten Termine anders zu vergeben. "Da wir kein Interesse der Gewerkschaft an baldigen Gesprächen erkennen können, erscheint es uns sinnvoll, den Klubs und den Arenen mehr Flexibilität in ihren Belegungsplänen zu geben", sagte NHL-Vizepräsident Bill Daly.

Die Reaktion der Gegenseite ließ nicht lange auf sich warten. NHLPA-Verhandlungsführer Ted Saskin erhob den Vorwurf, es sei "klar ersichtlich, dass der Liga und den Teams mehr daran gelegen ist, Konzerttermine zu buchen, als über ein Ende des von ihnen ausgesprochenen lock-out zu verhandeln". Exemplarisch für die übrigen Vereine kündigten die Buffalo Sabres wegen des Arbeitskampfs weitere Entlassungen von Mitarbeitern an.

Allein die Liga und deren Commissioner Gary Bettman weiß verlässlich zu sagen, nach exakt welchem Datum die Saison 2004/05 komplett ausfällt. Doch ist der Termin mit der jüngsten Maßnahme zwei Wochen näher gerückt. Vor Herausgabe der Memos an die Klubs waren bereits sämtliche bis einschließlich 17. November angesetzten 232 Saisonspiele dem Tarifstreit zum Opfer gefallen. Am Donnerstag sind es bis einschließlich 4. Dezember bereits insgesamt 352. Mit jedem Tag, der vergeht, wächst die Zahl - und die Wahrscheinlichkeit eines kompletten Ausfalls der Saison.

Einigkeit herrscht darüber, dass Mitte Jänner der späteste Beginn einer halbwegs sinnvollen Saison mit wenigstens 40 Vorrundenspielen pro Klub ist. Dem vorausgehen müssten Trainingslager von zumindest ein- bis zweiwöchiger Dauer. Der bislang letzte Lock-out 1994/95 währte 103 Tage und verkürzte die Saison auf 48 statt 82 Vorrundenspiele. Damals zeigten sich beide Seiten gesprächsbereit und arbeiteten gemeinsam an einem Kompromiss. In der Frage einer Gehaltsobergrenze, die im Mittelpunkt des jetzigen Konfliktes steht, bleiben Eigentümer und Gewerkschaft jedoch stur. (apa)

21.10.2004 11:46