Wahlbeteiligung wird Wahl entscheiden: Kerry setzt Hoffnungen auf die Neu-Wähler
- Demokraten haben bei Registrierungen Nase vorn
- Wahlbeteilgung wird am 2. 11. Rekordhoch erreichen
·USA: Verwirrung um Wahl-Umfragen!
Acht Prozent Vorsprung für Bush oder Gleichstand?
·Bush-Versprecher sorgt für Verwirrung
Zuerst für Freiwilligen-Heer
dann dagegen, dann dafür
·US-Wahlschlacht wird immer härter
Kandidaten werben um Stimmen in "Swing States"
·TV-Duelle: Tolle Vor-stellungen von Kerry
Herausforderer gewann alle drei Konfrontationen
·Bush oder Kerry: Wer wird gewinnen?
Stimmen Sie mit bei der großen Networld-Umfrage!
·Das Networld-Quiz zu den US-Wahlen!
Testen Sie Ihr Wissen über die US-Präsidenten
·Pennsylvania: Kein Antreten von Nader
1.000e Unterstützer-Unterschriften gefälscht
·Duell Bush - Kerry geht in die Endphase
NEWS-Check: Direkter Vergleich der Kontrahenten
·Kritiker: Bush-Sieg unwahrscheinlich
Umfragen sind fragwürdig, Presse liefert falsches Bild
Ein möglicherweise entscheidender Faktor bei der US-Präsidentenwahl könnte die Wahlbeteiligung werden. Die Vorzeichen deuten auf eine für amerikanische Verhältnisse hohe Beteiligung am 2. November hin, die zwischen 55 und 60 Prozent liegen könnte. Die Teams sowohl von Präsident George W. Bush als auch seines Rivalen John Kerry sowie ihnen nahe stehende Organisationen haben enorme Energie darauf verwendet, neue Wähler registrieren zu lassen.
Die vorliegenden Zahlen zeigen, dass das Kerry-Lager bei den Registrierungskampagnen die Nase vorn hat. Eine hohe Wahlbeteiligung könnte somit auch nach Meinung vieler unabhängiger Experten den Demokraten begünstigen.
Wählergewinnung in den "swing states"
Die Kampagnen zur Anmeldung neuer Wähler haben sich vor allem auf die "swing states" konzentriert; das sind jene Bundesstaaten, die nicht eindeutig ins Lager einer der beiden Kandidaten fallen und als wahlentscheidend gelten. Drei "swing states" sind besonders wichtig, weil sie eine hohe Einwohnerzahl und damit auch viele Mitglieder im Wahlmännerkollegium haben, das den Präsidenten bestimmt: Florida, Ohio und Pennsylvania. In Florida, das vor vier Jahren die Rolle des Züngleins an der Waage spielte, war nach den jüngsten amtlichen Zahlen bis zum vergangenen August die Zahl der registrierten Wähler im Vergleich zur Wahl 2000 um rund eine Million auf neun Millionen gestiegen. Bush hatte vor vier Jahren in dem "Sonnenschein-Staat" nach dem umstrittenen amtlichen Ergebnis mit gerade einmal 537 Stimmen gegen Al Gore gewonnen.
Auch in Ohio und Pennsylvania rechnen die Behörden mit mehreren hunderttausend neuen Wählern. In Ohio wurden allein zwischen Mitte August und Mitte September 116.000 neue Wähler angemeldet. Nach Recherchen der "New York Times" waren die Demokraten in Florida und Ohio weitaus erfolgreicher als die Republikaner bei der Anmeldung neuer Wähler. In traditionell demokratischen Gegenden von Ohio hätten die Neu-Registrierungen zwischen Jänner und September um 250 Prozent über den Neu-Anmeldungen im gleichen Zeitraum 2000 gelegen; in republikanischen Gegenden sei dagegen nur ein Zuwachs um 25 Prozent erzielt worden. In Florida stieg die Zahl dem Bericht zufolge in den demokratischen Gegenden um 60 Prozent, in den republikanischen nur um zwölf Prozent.
Zahlreiche Kerry-unterstützungs-Kommitees
Der hohe Zuwachs registrierter demokratischer Wähler geht nicht zuletzt auf die Anstrengungen von Basisorganisationen wie "America Coming Together" (Amerika kommt zusammen) oder "Moving America Forward" (Amerika nach vorne bringen) zurück, die nicht direkt mit dem Kerry-Team verbündet sind, sich aber für ihn einsetzen. Nach Schätzung des Politologen Larry Sabato von der University of Virginia, der in dieser Wahlsaison bereits 41 der 50 Bundesstaaten bereiste, favorisieren zwischen 55 und 60 Prozent der neu registrierten Wähler Kerry.
Allerdings ist völlig unklar, wie viele der neu angemeldeten Wähler am Ende tatsächlich wählen werden. Zahllose Basisgruppierungen aus beiden Lagern verwenden in den letzten zwei Wochen enorme Anstrengungen darauf, möglichst viele Anhänger ihres jeweiligen Kandidaten zur Teilnahme zu bewegen - mit Rundrufen, Hausbesuchen und der Organisation von Transport und Kinderbetreuung am Wahltag. Und die Demokraten sind sogar auf den Trick gekommen, bezahlten Helfern nur 50 Prozent ihrer Prämie für die Anmeldung eines neuen Wählers zu zahlen - die andere Hälfte gibt es erst, wenn der Wähler tatsächlich wählt.
Nicht zuletzt aber dürfte Kerry darauf hoffen, dass in der extrem polarisierten politischen Landschaft des Jahres 2004 die Abneigung, die Bush in Teilen der Bevölkerung auslöst, ein stärkeres Motiv für die Wahlbeteiligung ist als die Bewunderung, die andere Bevölkerungsteile für ihn empfinden. "Hass ist in der Politik von größerer Bedeutung als Liebe", meint denn auch Sabato.
(apa/red)
Wetter in Österreich08:07
Es trübt sich einWoche nach Pfingsten unbeständig. Sonne, Regen und Gewitter - alles ist möglich.
