Freitag, 22. Oktober 2004

Irakischer Folter-Skandal: Anhörungen gegen zwei weitere US-Soldaten

  • Vorwürfe der Misshandlung im Abu-Ghraib-Gefängnis
  • Plus: US-Soldat wegen Folter-Skandal acht Jahre in Haft

Vor einem Militärgericht in Bagdad hat die Anhörung eines weiteren US-Soldaten im Abu-Ghraib-Skandal begonnen. Dem Stabsgefreiten Charles Graner wird vorgeworfen, irakische Häftlinge in dem berüchtigten Gefängnis bei Bagdad misshandelt zu haben. Richter James Pohl wies zu Beginn der Anhörung den Antrag der Verteidiger zurück, einen Psychologen ihrer Wahl in den Zeugenstand zu rufen.

Dieser war an einer Studie beteiligt, in der Studenten der Stanford-Universität Gefängniswärter spielen sollten und binnen weniger Tage ihre Gefangenen zu misshandeln begannen. Stattdessen kündigte Pohl an, die US-Regierung werde einen Psychologen berufen, der sich innerhalb einer Woche mit Graner befassen werde.

Prozess-Verlegung beantragt
Der US-Gefreite Javal Davis wurde ebenfalls vor Gericht angehört. Nach Angaben seines Anwalts wollte er auf nicht schuldig plädieren und die Verlegung seines Prozesses in die USA beantragen. Am Donnerstag war der bisher ranghöchste Angeklagte in dem Folterskandal zu acht Jahren Haft verurteilt worden.

Das Militärgericht befand Ivan Frederick für schuldig, irakische Gefangene misshandelt zu haben. Der 38-Jährige soll zudem degradiert und unehrenhaft aus der Armee entlassen werden. Es ist bereits das dritte Urteil in dem Skandal: Ein US-Soldat musste für ein Jahr ins Gefängnis, ein Mitarbeiter des Militärgeheimdienstes acht Monate.
(apa)

22.10.2004 13:28