Donnerstag, 21. Oktober 2004

"Letztes Angebot" im Atomstreit: Berlin, Paris & London setzen Iran unter Druck

  • Teheran will Vorschlag "in Erwägung ziehen"
  • Bei Ablehnung drohen dem Iran UNO-Sanktionen

Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben am Donnerstag einen "letzten Versuch" unternommen, den Iran zur dauerhaften Aufgabe seines Programms zur Urananreicherung zu bewegen. Regierungsvertreter der drei Länder übergaben in Wien einer iranischen Delegation entsprechende Vorschläge.

Wie aus informierten Kreisen verlautete, gehört dazu die Lieferung eines Leichtwasser-Forschungsreaktors und Zugang zu atomarem Brennstoff. Der Iran soll dafür dauerhaft auf die Anreicherung von Uran verzichten, das sowohl für zivile Zwecke, als auch zum Bau von Atomwaffen benutzt werden kann. Die USA machten deutlich, dass sie die Vorschläge der Europäer ablehnen.

Ein Vertreter des Iran erklärte bei dem Treffen, sein Land nehme das Angebot zwar vorerst nicht an, werde es aber in Erwägung ziehen. In dem Angebot der drei EU-Staaten wird Diplomaten zufolge der Iran vor die Wahl gestellt, auf die Anreicherung von Uran zu verzichten oder sich möglichen Sanktionen auszusetzen, die der UN-Sicherheitsrat gegen das Land verhängen könnte.

Der Iran übergab den Europäern seinerseits "Gegenvorschläge". Demnach will sich Teheran u.a. international verpflichten, keine atomaren militärischen Projekte zu verfolgen. Der Westen würde außerdem zur Zusammenarbeit an Atomprogrammen eingeladen. Iranische Uranimporte sollten unter die Kontrolle der Internationalen Atomenergie-Organisation gestellt werden.

Bei der US-Regierung stieß das Vorgehen der Regierungen in Berlin, Paris und London auf Ablehnung. "Wir haben die Vorschläge nicht unterstützt", sagte Außenamtssprecher Boucher. Die USA hätten grundsätzliche Bedenken, dass sich der Iran neue Atomtechnologie beschaffen könnte.

(apa)

21.10.2004 20:33