Donnerstag, 21. Oktober 2004

Naturkatastrophe wütet in Japan: Taifun schleudert mindestens 48 Menschen in Tod

  • 7.000 Häuser getroffen - 5.000 Leute in Notunterkünften
  • Schwerster Sturm seit über 10 Jahren im Süden Japans

Der schlimmste Taifun in Japan seit mehr als zehn Jahren hat mindestens 61 Menschen getötet und schwere Verwüstungen angerichtet. 22 Menschen wurden nach Fernsehberichten am Donnerstag noch vermisst, fast 300 weitere verletzt, als der Sturm "Tokage" über das Land fegte.

Während sich der Taifun abschwächte und aufs offene Meer weiter zog, suchten Helfer in Booten und Hubschraubern nach Überlebenden. Mehr als 9.200 Häuser wurden laut Polizei überflutet, Bäume entwurzelt und Züge umgestürzt. Flug- und Bahnverkehr waren wegen des schweren Unwetters stark eingeschränkt. Besonders betroffen war der Südwesten des Landes. Dort mussten 37 Menschen die Nacht auf dem Dach eines Reisebusses verbringen, bevor sie unversehrt gerettet werden konnten.

Die Polizei bestätigte am Donnerstag den Tod von 55 Menschen, darunter viele ältere Menschen. Die meisten von ihnen seien von Schlammlawinen und über die Ufer getretenen Flüssen getötet worden. 24 Menschen würden noch vermisst, während die Aufräumarbeiten weiter gingen. "Wir haben heute Morgen vier Leichen an der Stelle gefunden, an der sieben Häuser von einer Schlammlawine zerstört oder beschädigt wurden", berichtete ein Mitarbeiter des Katastrophenschutzes im Westen des Landes.

Ministerpräsident Junichiro Koizumi sprach von "wirklich furchtbaren Schäden" und schickte seinen Katastrophenschutzminister in die besonders betroffenen Gebiete. Im Südwesten Japans hatten die Behörden 18.000 Bewohner gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Weitere 5.000 hätten sich freiwillig in Sicherheit gebracht, meldete der Sender NHK.

An der Südwestküste brach ein 20 Meter hoher Deich unter der Wucht der heranrollenden Riesenwellen. Neben Überschwemmungen löste "Tokage" fast 300 Erdrutsche aus. In der Präfektur Nagano stürzte eine entgleiste Kleinbahn in ein Reisfeld. Dabei wurden vier Menschen leicht verletzt. Schon am Mittwoch war der Verkehr der Hochgeschwindigkeitszüge eingestellt worden. Wegen fast 900 gestrichener Inlandsflüge saßen mehr als 100.000 Reisende fest. Im Laufe des Donnerstags normalisierten sich Bahn- und Flugverkehr wieder.

In der im Südwesten gelegenen Präfektur Kyoto harrten 37 zumeist ältere Passagiere auf einem vom Wasser eingeschlossenen Touristenbus aus, bis sie am Donnerstag früh mit Hubschraubern und Schlauchbooten wohlbehalten gerettet werden konnten. "Am Ende haben wir auf dem Dach des Busses gestanden und ich habe gezittert, während mir das Wasser bis zu den Knien stieg", sagte ein Passagier dem Sender NHK. "Mir tun jetzt noch die Knie weh."

Nachdem der Taifun abgezogen war, schien am Donnerstag über der Hauptstadt Tokio nach 48 Stunden Dauerregen die Sonne. "Tokage" war mit einer Geschwindigkeit von 45 Stundenkilometern zum Pazifik gezogen und löste sich dort auf. Es war bereits der 23. Wirbelsturm einer ungewöhnlich harten Saison: Bisher wurden etwa 150 Menschen getötet, die landwirtschaftlichen Schäden belaufen sich auf mindestens 155 Milliarden Yen (1,14 Milliarden Euro).
(apa/red)

21.10.2004 13:43