Dienstag, 19. Oktober 2004

Seltsames Geschichtsverständnis in Indien: Schulbuch nennt Hitler Vorbild!

  • "Hitler brachte der Regierung Würde und Anerkennung"
  • Bildungsminister kritisiert diese 'Verdrehung von Fakten'

Ein Schulbuch im westindischen Unionsstaat Gujarat stellt Adolf Hitler als Vorbild dar. In dem Sozialkundebuch würden "Fakten verdreht", sagte der indische Bildungsminister Arjun Singh am Montag. Die "Faschisten im Land" würden Hitler statt Mahatma Gandhi zum Vorbild machen, kritisierte der Minister. "Deshalb findet in Teilen des Landes ein fürchterlicher Völkermord statt."

Das Buch wurde von der nationalistischen Hindu-Regierung in Gujarat zu Beginn des Schuljahres im Juni eingeführt und wendet sich an 15-jährige Schüler. Unter der Überschrift "Internationale Leistungen des Nationalsozialismus" heißt es darin, "Hitler brachte der deutschen Regierung binnen kurzer Zeit Würde und Anerkennung, indem er eine starke Verwaltung aufbaute."

Der Minister beschuldigte die Regierung von Gujarat außerdem, den von einem fundamentalistischen Hindu begangenen Mord an dem Pazifisten Gandhi aus den Geschichtsbüchern tilgen zu wollen. Bei Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Moslems im Februar 2002 wurden in Gujarat etwa 2000 Menschen getötet. Menschenrechtsgruppen werfen der Regierung des Staates vor, die Ausschreitungen ignoriert und das Blutvergießen teilweise unterstützt zu haben.
(apa)

19.10.2004 08:16