Freitag, 22. Oktober 2004

4.000 Geschädigte durch Pyramidenspiel: Tiroler Firma steht unter Betrugsverdacht

  • Rund acht Millionen Euro wurden bisher sichergestellt
  • Homepage ist noch immer im Internet zu finden

Wegen eines Pyramidenspiels und Geldwäscherei steht eine Tiroler Firma unter dem Verdacht des schweren gewerbsmäßigen Betruges. Rund acht Millionen Euro konnten bisher sichergestellt werden, erklärten die zuständigen Ermittler des Landesgendarmeriekommandos Tirol. Zwei der drei Hauptverdächtigen, ein Oberösterreicher und ein Deutscher waren in Zürich verhaftet worden. Ein Tiroler war schon im Vorfeld festgenommen worden.

Bisher gebe es etwa 4.000 Geschädigte. Einige davon seien aus Deutschland und Italien. Die Firma mit Sitz in Wörgl im Tiroler Unterland (Bezirk Kuftstein) hatte seit März 2004 im Internet Geschäftsbeteiligungen an einer englischen und einer amerikanischen Veranlagungsfirma vermittelt. Dafür wurde eine Gebühr von rund 400 Euro verlangt. Den stillen Gesellschaftern wurden Gewinnbeteiligungen zwischen 0,8 und ein Prozent pro Tag versprochen. Der Gewinn sollte zunächst innerhalb von vier Monaten ausbezahlt werden.

Das investierte Geld der Teilhaber wurde jedoch nicht bei den ausländischen Firmen veranlagt, sondern blieb auf österreichischen Konten. Der Großteil der Geschädigten habe zwischen 1.000 und 3.000 Euro bezahlt. Es gebe aber auch einzelne Großanleger, die bis zu 100.000 Euro investiert haben sollen.

Internationales Pyramidenspiel
Die Homepage der Firma sollte auch in andere europäische Sprachen übersetzt werden. Daher sei derzeit noch nicht klar, wie viele Geschädigte es tatsächlich gebe. Die Veranlagungsfirmen im Ausland bestünden tatsächlich, sie müssten aber erst überprüft werden, sagten die Ermittler. "Wir glauben, die drei Hauptverdächtigen mit dem 47-jährigen Oberösterreicher, dem 46-jährigen Tiroler und dem 53-jährigen Deutschen gefasst zu haben."

Bei der Festnahme in Zürich hatten rund zwei Millionen Euro Bargeld sowie Firmenunterlagen sichergestellt werden können. Sechs Millionen Euro wurden auf österreichischen Konten eingefroren.

Die von der Wörgler Firma betriebene Homepage war vorerst noch im Internet zu finden. Es konnten auch noch Geldbeträge überwiesen werden. Die Kriminalabteilung der Gendarmerie warnte jedoch davor, weitere Zahlungen zu tätigen. Geschädigte wurden aufgerufen, sich an den nächsten Gendarmerieposten zu wenden. (apa/red)

22.10.2004 19:00