Donnerstag, 21. Oktober 2004

Schlechtes Zeugnis für Fitnessstudios: Nur vier von 14 Instituten positiv gestestet

  • "Konsument" nahm Studios & Ordinationen unter Lupe
  • Besonders schlimm: Sogar Ärzte untersuchten schlecht

Die Kriterien einer sportmedizinischen Untersuchung werden in Österreichs Fitness-Studios und Ordinationen nicht ausreichend oder gar nicht erfüllt. Das ist das Ergebnis eines Tests der Verbraucherzeitung "Konsument", die eine 35-jährige, mit fiktiven Risikofaktoren ausgestattete Testperson zu 14 Anbietern in ganz Österreich geschickt hat. "Die Ergebnisse sind bedenklich", sagte Franz Floss vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien. "Sie sollten den Fitness-Instituten zu denken geben. Sie müssen ihrer Verantwortung viel besser nachkommen."

Nur vier Anbieter wurden positiv bewertet, als Sieger ging ein Institut auf der Schmelz in Wien hervor. "Ein Drittel der Anbieter hat weder das Herz-Kreislauf-System noch den Bewegungsapparat überprüft, was für Risikopatienten ein lebensgefährliches Versäumnis sein kann", sagte Floss.

Untersuchung mit fiktiver Testperson
Die Testperson, ein 35-jähriger, nicht besonders sportlicher Arzt, der eine risikobelastete Familienkrankengeschichte (Schlaganfall der Großmutter) angab, hatte bei den 14 Anbietern ausdrücklich einen sportärztlichen Check verlangt. In jedem zweiten Fitness-Studio wurde der Mann allerdings von einem Nicht-Mediziner untersucht, in einem Institut wurde ihm von einem Nicht-Arzt zum Zweck eines Lactat-Tests Blut abgenommen. Floss: "Das ist gesetzeswidrig." Die Hälfte der Institutionen hat nicht einmal das Herz abgehorcht, nur acht von 14 haben EKG und Blutdruckmessung bei Belastung durchgeführt.

Wie der "Konsument"-Test zeigt, ist aber auch auf die kontrollierten Ärzte wenig Verlass. Die getesteten Mediziner führten, so Floss, die Überprüfung des Bewegungsapparates nicht oder ungenügend durch, einer vergaß aufs Abhören und verlangte für eigentlich fixe Bestandteile der Untersuchung zusätzliche Gebühren.

Wichtige Teil der Untersuchung nicht durchgeführt
Dabei gibt es, so die Sportärztin und Fachärztin für physikalische Sportheilkunde, Univ.Doz. Dr. Renate Petschnig, genaue Richtlinien für eine sportmedizinische Untersuchung, die u.a. in der 180 Stunden umfassenden Ausbildung zum Sportarzt - und davon gibt es rund 950 in ganz Österreich - gelehrt werden. Sie riet im Rahmen der Pressekonferenz dazu, für eine derartige Untersuchung "in jedem Fall" zum Arzt zu gehen und darauf zu achten, dass man nach Risikofaktoren wie Rauchen, nach der Familienkrankengeschichte (Anamnese) und nach der Einnahme von Medikamenten befragt wird.

Weitere wichtige Bestandteile eines ernst zu nehmenden Tests müssten, so Petschnig, das Abhören des Herzens und der Lunge, ein Abtasten der Lymphknoten, EKG, Blutdruckmessung (im Belastungs- wie Ruhezustand), ein Test der Beweglichkeit der Wirbelsäule, eine Beurteilung der Muskelfunktion und eine Überprüfung der Gelenke beinhalten. Petschnig: "Und dann muss der Arzt feststellen, für welchen Sport man überhaupt geeignet ist."
(apa)

21.10.2004 13:03