Donnerstag, 21. Oktober 2004

Österreichs Gefängnisse heillos überfüllt: Derzeit sitzen 8.800 Menschen in Haft

  • Ein Zuwachs um rund 30 Prozent seit dem Jahr 2000
  • Ein Gefängnisbeschäftigter für 2,5 Häftlinge zuständig

Derzeit sind in Österreich 8.800 Personen - exakt 8.799 - Personen inhaftiert. Diesen Stand gab das Justizministerium am Donnerstag auf Anfrage bekannt. Im Vergleich zum Jänner 2000 ist die Zahl um rund 30 Prozent gestiegen, damals wurden 6.804 Inhaftierte gezählt. Auf einen Beschäftigten im Strafvollzug kommen jetzt knapp 2,5 Insassen, vor vier Jahren waren es noch 1,9.

Mit dem Zuwachs nicht Schritt gehalten hat die Zahl der Beschäftigten im Strafvollzug bzw. der Justizwachebeamten. Insgesamt sind im Strafvollzug rund 3.500 Personen beschäftigt, darunter fallen aber auch Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter und Priester. Die Zahl der Justizwachebeamten im engeren Sinn ist seit dem Jahr 2000 von 3.100 auf 3.000 gesunken.

Bis zum Herbst 2005 sollen 250 zusätzliche Justizwachebeamte ausgebildet sein, heißt es. Bis zu diesem Zeitpunkt will Justizministerin Karin Miklautsch als Übergangslösung auch Soldaten des Bundesheeres einsetzen. Nicht bei den Häftlingen, wie sie betonte, sondern etwa als Fahrer oder bei der Wache.

Der Zuwachs bei den Häftlingszahlen ist großteils auf die Untersuchungshaft zurück zu führen. Die Zahl der U-Häftlinge hat sich seit Anfang 2000 von 1.430 auf 2.418 erhöht. Bei der Strafhaft wurde ein Plus von rund 750 verzeichnet, die Zahl liegt jetzt bei 5.511. Dazu kommen derzeit weitere 870 Personen, die in der Statistik des Justizministeriums in die Kategorien "Maßnahmen" (etwa psychisch Kranke) und "sonstige Insassen" (etwa vorübergehende Verwahrung von Schubhäftlingen) fallen.

Deutlich zugelegt hat seit dem Jahr 2000 der Ausländeranteil in Österreichs Gefängnissen. Anfang 2000 lag dieser bei 28,53 Prozent, derzeit sind es 42,79 Prozent.
(apa/red)

21.10.2004 12:46