Unfassbar: Vater entführt in Graz sein eigenes Kind, Mann gibt nach Stunden auf
- Täter schlug mit Cousin Frau nieder & flüchtete mit Kind
- Tat des Niederländers wegen Sorgerechtsstreit
Zur Eskalation eine Sorgerechtsstreits ist es Dienstagabend in Graz gekommen: Nach Angaben der Kriminalpolizei hat ein 37 Jahre alter Niederländer versucht, seine 14 Monate alte Tochter zu entführen. Auf offener Straße hatte der Mann seiner 37-Jährigen Ehefrau, mit der er in Scheidung lebt, das gemeinsame Baby entrissen und war mit Unterstützung von Angehörigen geflüchtet. Die Mutter und ein Bekannter, die sich wehrten, wurden dabei verletzt.
Im Zuge einer Großfahndung stellten die Kriminalisten zunächst den mutmaßlichen Täter, einen Betriebsingenieur, seinen Cousin und seinen Vater, die als Komplizen fungiert hatten. Bei den Einvernahmen gab der Holländer dann schließlich auf und führte die Beamten zu dem Kind, das sich bei der Großmutter in einer Pension in der Nähe von Graz befand.
"Die Kindesmutter und der Vater hatten angeblich eine private Sorgerechtsvereinbarung getroffen", berichtete Ernst Schranz von der Polizei-Einsatzleitung der Kriminalabteilung am Mittwoch über die Hintergründe. Die Vereinbarung habe besagt, dass sich das Kind immer abwechselnd einen Monat bei einem der beiden Elternteile aufhält. Die Mutter soll sich aber nicht daran gehalten haben, was den Vater offensichtlich zur Tat veranlasste.
Der 37 Jahre alte Mann aus Vriezenveen in den Niederlanden und sein Cousin hatten der Juristin, die gegen 17.00 Uhr mit ihrer 14 Monate alten Tochter und einem Bekannten vom Einkaufen zurückgekommen war, in der Friedrich-Hebbel-Gasse aufgelauert. Die beiden Männer attackierten die Frau, entrissen ihr die kleine Elisabeth und stiegen mit ihr in ein Auto, das vom Vater des Holländers gelenkt wurde.
Die Mutter, die die Entführung verhindern wollte, warf sich auf die Motorhaube des davonfahrenden Wagens und klammerte sich an den Scheibenwischern fest. Sie wurde schließlich von einem der mutmaßlichen Entführer heruntergezerrt. Dabei erlitt die 37-Jährige mehrere Prellungen. Auch ihr Begleiter zog sich bei einem Gerangel mit dem Cousin den Mannes Verletzungen zu. "Er bekam eine Flasche auf den Kopf" , so ein Kriminalist, "und verletzte sich bei der Rangelei an Händen und Schulter".
Im Zuge einer Großfahndung der Polizei konnten die mutmaßlichen Entführer kurze Zeit später in der St. Peter Hauptstraße gestoppt werden. Vom Kind fehlte zunächst aber jede Spur. Im Laufe der Vernehmung gab der Kindesvater dann an, dass sich die Kleine in einer Pension in Pirka (Bezirk Graz-Umgebung) bei seiner Mutter befindet. "Wir konnten dem Mann klar machen, dass es nichts bringt, den Streit am Rücken des Kindes auszutragen", so Schranz über den Sinneswandel des 37-Jährigen.
Der Großvater, der Cousin und der Kindesvater befanden sich Mittwochmittag noch im Polizeianhaltezentrum. Nach Abschluss der Ermittlungen wird der Staatsanwalt entscheiden, ob die U-Haft verhängt wird. Die Großmutter befindet sich auf freien Fuß. Die Kleine wurde zu ihrer Mutter zurück gebracht.
(apa)
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