Freitag, 15. Oktober 2004

Führerschein im billigen Ausland: Der ÖAMTC rät nach anonymen Tests davon ab

  • Der Club warnt vor unterschätzten Zusatzkosten
  • Die Testergebnisse aus Tschechien,Ungarn & Slowakei

Um die 1.400 Euro blättert man in Österreich für einen Führerschein auf den Tisch. Manche Fahrschulen in den neuen EU-Nachbarländern winken dagegen mit Schnäppchenpreisen ab 200 Euro für das begehrte rosa Papier, teilweise werden spezielle Kurse angeboten, stellte der ÖAMTC bei einem Test in Tschechien, Ungarn und der Slowakei fest. Der Club warnt jedoch u.a. vor unterschätzten Zusatzkosten.

In den neun anonym aufgesuchten tschechischen Fahrschulen stand man Österreichern recht positiv gegenüber. Bis auf ein Unternehmen betonten alle, dass ein Aufenthaltsnachweis nicht notwendig sei. Verlangt wird eine amtsärztliche Bestätigung und bei der Prüfung muss ein beeideter Dolmetscher anwesend sein. Paket-Lösungen in deutscher Sprache werden etwa in Prag angeboten, andere Fahrschulen stellen Dolmetscher bereit. Tschechien erwies sich für den B-Führerschein als wahres Dumpingland: Zwischen 187 und 263 Euro wurden verlangt.

Testergebnisse Ungarn
Keine speziellen Kurse für Ausländer gab es hingegen in den 14 in Ungarn kontaktierten Fahrschulen. Die Institute hielten sich außerdem strikt an die vorgeschriebene sechsmonatige Aufenthaltsfrist. Aspiranten müssten zwischen 283 und 567 Euro berappen - je nachdem ob die Kosten für Fahrstunden, Erste-Hilfe-Kurs und die Prüfungsgebühren schon im Angebot enthalten waren.

Testergebnisse Slowakei
Ohne Aufenthaltsgenehmigung kann man auch in der Slowakei keinen Führerschein machen. Kein einziges Unternehmen machte für Ausländer Ausnahmen oder bot "Packages" an, hieß es. Verlangt wurde eine ärztliche Bestätigung, darüber hinaus müsste ein Dolmetscher selbst organisiert und bezahlt werden. Kostenpunkt: 225 Euro bis 323 Euro.

Zusatzkosten & Mängel
Anscheinend stecken hinter der positiven Preisoptik jedoch mehrere Haken. Der ÖAMTC meldete gravierende Bedenken in punkto Sicherheit an. Unfallfreies Fahren benötige eine fundierte Ausbildung und nicht einen im Schnellverfahren in fremder Umgebung durchgezogenen Kurs, so der Autofahrerclub. "Österreich hat mit der Mehrphasen-Fahrausbildung einen entscheidenden Verkehrssicherheitsvorteil", versicherte Club-Juristin Ursula Zelenka. Abgesehen davon könne es beim Führerschein-Import zu unterschätzten Zusatzkosten durch Nebenkosten kommen. Weiters dürfe man sich nicht von Werbe-Formulierungen wie "Euro-Führerschein" oder "Internationaler Führerschein" irreführen lassen. In jedem Fall erwerbe man ein nationales Dokument, das innerhalb der EU von allen Staaten anerkannt werde. (apa/red)

15.10.2004 16:07