Freitag, 15. Oktober 2004

WOMAN: Frauen gehen auf die Pirsch! Gesellschaftsdamen packt jetzt die Jagdlust

  • Neuer Society-Trend: Jetzt kommen die Waidfrauen!
  • Jagd-Report: Wer den Jagdschein hat & wer ihn hat

Society-Trend Jagen: Vergessen Sie Golfclubs! Wer in der Gesellschaft ganz vorne mitspielen will, macht jetzt den Jagdschein. Der Adel und große Teile der Wirtschaftsspitze Österreichs legen wochenends gern grünen Loden an und sich selbst auf die Lauer. Gerade im Herbst erschallt auf den Jagdgütern der Esterházys, der Habsburgs, der Schwarzenbergs, aber auch der Meinls und der Flicks der Ruf des Jagdhorns. Immer öfter dabei: Frauen, deren Namen man bisher nur aus den Klatschspalten des Landes kannte. Die Malerin Verena Rotterdam, 39, etwa legte nach ihrer Hochzeit mit dem Grafen Wolf-Engelbrecht Auersperg bald die Jagdprüfung ab. Eventprofi Cosima Aichholzer, 32, hat immerhin schon den Kurs absolviert. Und gerade erst im Sommer machte die Salzburger Szenewirtin Martina Friesacher, 35, gemeinsam mit ihrer Freundin, DJ-Ötzi-Ehefrau Sonja Friedle, 28, den Jagdschein. "Nächste Woche fahren wir in die Gegend von St. Johann im Pongau, dort wollen wir Murmeltiere jagen."

Allerdings: Das Vergnügen muss frau sich erst mal leisten können: Allein für Kurs, Schießübungen und Jagdprüfung berappt man knapp tausend Euro. Dann kommt der Erwerb von Jagdgewehren bei Traditionshäusern wie Springer am Wiener Graben: Ein Schrotgewehr für Hasen und Fasane kostet rund 2.000 Euro, ein Kugelgewehr für die Hirschjagd rund 3.000 Euro. Waffenfans träumen von einer echten "Purdey", deren Kosten bis hunderttausend Euro gehen können. Dazu noch die richtige Kleidung (etwa eine mit Biberfell gefütterte Hose von Habsburg, der Jagdhut natürlich von Nagy), und wer einen ordentlichen Hirsch erlegen will, muss schon bis zu 7.000 Euro auf den Tisch legen - es sei denn, er ist vom Besitzer des Jagdreviers eingeladen.

Verena Auersperg-Rotterdam schießt auf Ton- wie auch auf lebende Tauben. "Wenn ich ein Tier essen will, muss ich im Grunde auch bereit sein, es zu töten", sagt sie. "Auf Jäger schimpfen und dann Rehbraten essen und Wildlederschuhe tragen, finde ich verlogen." Auch Martina Friesacher steht zu ihrer Leidenschaft. "Obwohl ich in neunundneunzig Prozent der Fälle gar nicht abdrücke", gesteht sie. "Meist begnüge ich mich damit, die Tiere zu beobachten, das ist genauso interessant." Trophäen sammle sie ohnehin keine. "Bis auf das erste Tier, das ich geschossen habe: ein Murmeltier. Das ist jetzt beim Präparator und wird dann in einem unserer Lokale aufgestellt."

"Natürlich ergeben sich bei der Jagd auch gesellschaftliche Kontakte", sagt Martina Friesacher. "Und sobald sich herumgesprochen hat, dass man den Jagdschein besitzt, wird man auch auf die großen Jagdgesellschaften geladen. Zuletzt waren wir bei den Mayr-Melnhofs zur Wildschweinjagd." Dass sich jemand aber ausschließlich aus gesellschaftlichen Gründen ans Schießen macht, hält sie für unwahrscheinlich. "Kann schon sein, dass das manche machen, aber die sind sicher in der Minderheit. Schließlich ist Jagen was anderes als Golfen."
(Aus WOMAN/20/2004)


15.10.2004 11:59