Tele2 schluckt UTA: Neuer Komplett-anbieter mit einer Mio. Kunden entstanden
- Kaufpreis des Telekomanbieters liegt bei 213 Mio. Euro
- Tele2 verfolgt "Salamitaktik" in der Wachstumsstrategie
·Ab sofort schwarze Zahlen geplant
Mit Verkauf der UTA an Tele2 "Zielsetzung erfüllt"
·TA fordert weniger Markt-Regulierung
Nach UTA-Deal pocht der Marktführer auf Anliegen
·Tele2 steuert auf Wachstumskurs
In Österreich sind die Schweden schon seit 1999
Für die Telekom Austria (TA) weht der Wind ab jetzt stärker: Mit der Übernahme des größten alternativen Telekomanbieters UTA Telekom durch die schwedische Telekomgruppe Tele2 bekommt der Marktführer einen starken Konkurrenten. Im Gegensatz zum Ex-Monopolisten, die im Vorjahr 3,97 Milliarden Euro um mehr als das Zehnfache umsetzte, erscheint Tele2 Österreich noch immer relativ klein. Ungeachtet dessen hat die TA promt eine Erleichterung bei der Regulierung ihrer Endkundentarife gefordert.
"Wir begrüßen die Marktkonsolidierung, die auf Grund des hohen Wettbewerbsdruckes zu erwarten war", bemerkte TA-Festnetzvorstand Rudolf Fischer in einer ersten Reaktion. Im Privatkunden-Markt weise der neue Mitbewerber mit geschätzten 36 Prozent ähnlich große Marktanteile wie die TA mit 43 Prozent auf, daher erwarte man, dass die TA künftig aus der Endkundenregulierung entlassen wird oder dass beide Unternehmen gleich stark reguliert werden.
Entscheidung der Kartellbehörde in einem Monat
Tele2 Österreich-Chef Norbert Wieser hingegen verwies darauf, dass man auch nach der UTA-Übernahme nur auf 15 Prozent des TA-Festnetzumsatzes komme, von dem wiederum 50 Prozent via Zusammenschaltungsgebühren an die TA zurückfließen würden. Daher erwarte man bei der anstehenden kartellrechtliches Prüfung auch grünes Licht vom obersten Wettbewerbshüter Walter Barfuß. Eine Entscheidung der Kartellberhörde erwartet Wieser bereits in einem Monat.
Kaufpreis von 213 Mio. Euro
Tele2, seit März 1999 als reiner Wiederverkäufer ohne eigene Infrastruktur in Österreich tätig, hat für die UTA insgesamt 213 Mio. Euro auf den Tisch gelegt, 20 Mio. Euro davon für die Entschuldung der UTA. Mit den Landesenergieversorgern, die bisher 75 Prozent an der UTA hielten und der UTA die Leitungs-Infrastruktur zur Verfügung stellten, habe man langfristige Infrastruktur-Mietverträge bis nach 2010 vereinbart, berichtete Wieser. Darüber hinaus gebe es auch die Möglichkeit, Leitungen - bei Bedarf - käuflich zu erwerben.
Geschäftsbereiche der UTA werden weitergeführt
Tele2 will künftig alle Geschäftsbereiche der UTA weiterführen und vor allem die Entbündelung von Leitungen zum Endkunden ausbauen, wo die TA noch immer ein Quasi-Monopol von 95 Prozent habe, kündigte Wieser an. Ob und in welcher Form die Marke UTA erhalten bleibe, sei noch offen. Auch am Management ändere sich - ebenso wie bei der Mitarbeiterzahl - vorerst nichts.
Unternehmen ergänzen sich gut
Die beiden Unternehmen ergänzen sich angesichts bisherigen Fokus recht gut. Während sich Tele2 in Österreich bisher vor allem auf das Privatkundengeschäft konzentrierte, bringt die UTA auch 78.000 Firmenkunden in die Telekom-Ehe mit. Das Zusammengehen mit Tele2 biete Vorteile für den Wettbewerb, den Kunden, die UTA-Mitarbeiter und den Wirtschaftsstandort Österreich, betonte UTA-Chef Günther Ofner. Die beiden Unternehmen würden sich "hervorragend ergänzen".
Mobilfunkbereich ausbauen
Der neue Komplettanbieter will neben dem Internet- und Festnetzgeschäft auch im Mobilfunkbereich weiter wachsen. Tele2 bietet in Österreich seit Februar 2003 Mobilfunkdienste für Wertkarten-Telefonierer über eine Kooperation mit dem drittgrößten Handynetzbetreiber One unter der One-Vorwahl "0699" an, in einigen Tagen will das Unternehmen als so genannter virtueller Mobilfunkbetreiber (MVNO) mit der eigenen Handy-Vorwahl "0688" starten. Bis Jahresende 2004 peilt Tele2 rund 100.000 Handykunden an, was sich im hoch entwickelten österreichischen Mobilfunkmarkt mit mehr als 6 Millionen Mobilfunkkunden allerdings recht bescheiden ausnimmt. Weiteres Handykundenpotenzial sieht Wiesner in den nun von der UTA übernommenen Kunden. An den Handypartnerschaften - Tele2 mit One und UTA mit T-Mobile - soll sich vorerst nichts ändern.
Meileinstein im Wachstumskurs
Die Übernahme sei ein weiterer Meilenstein in der Wachstumsstrategie der Tele2 und passe in die "Salamitaktik" des Unternehmens, betonte Tele2-COO Johnny Svedberg. Demnach versuche Tele2, bisher in Österreich als reiner Wiederverkäufer ohne eigene Infrastruktur tätig, nach einem Markteintritt zunächst, mit einer aggressiven Preisstrategie einen großen Kundenstock zu akquirieren, erst dann werde im Sinne der Kostensenkung Infrastruktur dazugekauft, um dann weiter organisch oder über Akquisitionen zu wachsen.
Zusammen mehr als eine Million Kunden
Die UTA erzielte 2003 einen bereinigten Umsatz von 214 Mio. Euro, betreut 520.000 Telefonie- und 345.000 Internetkunden und beschäftigt 460 Mitarbeiter. Tele2 setzte in Österreich 2003 114 Mio. Euro um, betreut mehr als 550.000 Festnetz-, Internet- und Mobilfunkkunden und beschäftigt knapp 30 Mitarbeiter direkt und weitere 170 im Call Center.
UTA gehörte zur Mehrheit der VTÖB
Die UTA gehörte bisher zu 75 Prozent minus einer Aktie den in der VTÖB (Vereinigte Telekom Österreich Beteiligungs GmbH) zusammengeschlossenen acht österreichischen Landesenergieversorgern Bewag, EVN, Kelag, Energie AG, Steweag, Tiwag, VKW und WStW. 25 Prozent plus eine Aktie der UTA standen bisher im Besitz der Raiffeisen-Gruppe, konkret der ECOT Internet-Holding, einer Gesellschaft von RZB, Raiffeisen-Holding NÖ-Wien, RLB Steiermark und UNIQA. (apa/red)
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