Supermans Abschied

Er war der Superman des Films, der König der Comics, doch privat ein schlichter Gigant der Nächstenliebe Christopher Reeve. Fast zehn Jahre lang kämpfte der einstmals fliegende Heroe nicht minder heroisch gegen seine Ganzkörperlähmung nach einem Reitunfall 1995.
Vergangenen Sonntag um 17.30 Uhr Ortszeit versagte sein letzter aktiver Muskel im Northern Westchester Hospital in Mount Kisco. Es war kein überraschender Tod, sagt Günter Stampf, TV-Produzent, Journalist und Freund der Familie. Der Österreicher hatte den Vater von drei Kindern Matthew, 23, Alexandra, 21, Will, 12 vor nur neun Wochen in dessen Privathaus besucht.
Besuch bei Superman. Christopher Reeves Parkvilla liegt in Bedford, rund 50 Kilometer außerhalb von New York. Ein idyllisches Haus, weiß getüncht, mit Rosen, Hecken, mächtigen Bäumen. Von seinem Büro aus, in dem er täglich telefonierte, blickte er in den Garten. Seine Hausnummer ist 9/11. Reeve war ein hochwacher, politisch denkender Kopf. Er verabscheute Präsident Bush, war ein flammender Kämpfer für die Demokraten. Seine Freunde: Bruce Springsteen, Jon Bon Jovi, Präsidentschaftskandidat John Forbes Kerry.
Kampf gegen Bush. Reeve hatte erst vor wenigen Monaten wegen der auch in den USA heftig umstrittenen Embryonalen Forschung Präsident Bush verklagt. Die Stammzellenforschung ist eine Chance für alle Schwerbehinderten, und ich werde dafür bis zu meinem Lebensende eintreten, sagte Reeve damals und fügte mit schwacher Stimme hinzu: Leider geht es mir immer schlechter, meine eingepflanzten Spezialelektroden für das freie Atmen entzünden sich ständig, ich habe kaum noch Kraft.
Tödliche Wunde. Eine offene Druckstelle am Rücken, nichts Ungewöhnliches bei Querschnittgelähmten, hatte sich vor Monaten entzündet. Langsam war die tückische Infektion durch den ganzen Körper gekrochen. Reeve wurde zwar rund um die Uhr von seinem Ärzteteam, seinen beiden Krankenschwestern und einem Pfleger betreut; seine normale Therapie konnte er aber nicht mehr durchziehen. Bis zum Sommer 2004 standen noch fünf Stunden Physiotherapie täglich auf dem Trainingsplan. Dreimal pro Woche wurde er an einen Spezial-Hometrainer (aufgeklebte Elektroden bewegten seine Muskeln) angeschlossen, einmal die Woche musste er schwimmen, täglich eine Stunde frei atmen.
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