Mittwoch, 13. Oktober 2004

Misstrauensantrag der Grünen gegen Landwirtschaftsminister Josef Pröll

Der Misstrauensantrag gegen Landwirtschaftsminister Pröll beendet alle Schwarz-grünen Koalitionshoffnungen. Vorläufig.

Dass die Grünen mit einem Umweltminister eher solidarisch sind als mit anderen Kabinettsmitgliedern, liegt in der Natur der Sache. So kommt es höchst selten vor, dass die Ökopartei einen Misstrauensantrag gegen einen Umweltminister einbringt. Am Mittwoch dieser Woche war es doch wieder einmal so weit: 13 Jahre nach Ruth Feldgrill-Zankel (ÖVP) wurde VP-Zukunftshoffnung Josef „Happy Pepi“ Pröll mit grünem Misstrauen bedacht. „Wir schätzen ihn als sympathischen, umgänglichen Politiker. Aber davon hat die Umwelt nichts – und gerade bei Ökofragen verstehen wir keinen Spaß“, deponierte Eva Glawischnig, stellvertretende Bundes- und Umweltsprecherin. Pröll habe „in zentralen Umweltfragen wie Gentechnikgesetz, Ökostrom-Novelle, Klimaschutz, Abfallvermeidung und auch in der Temelín-Frage versagt und sich auf die falsche Seite gestellt“. Einmal im Monat ins Büro zu radeln sei für einen Umweltminister zu wenig, setzte Glawischnig nach.

Grün-schwarzes Donnergrollen. Die Breitseite gegen den schwergewichtigen Neffen von NÖ-Landeshauptmann Erwin Pröll war nur der vorläufige Höhepunkt einer zunehmenden Klimaverschlechterung zwischen den Grünen und der Volkspartei. In den vergangenen Wochen gerieten Exponenten jener beiden Parteien, die im Februar 2003 noch intensive Koalitionsverhandlungen geführt hatten, des Öfteren aneinander.

  • Das erste Donnergrollen verursachte das Hearing für den Posten des Rechnungshofpräsidenten. Die ÖVP hatte signalisiert, dass das Rennen offen sei, weshalb die Grünen den Verfassungsrechtler Heinz Mayer ins Rennen schickten. Dass mit Josef Moser ein FPÖler den wichtigen Posten bekam, ärgerte die Grünen besonders.
  • In gesellschaftspolitisch heiklen Fragen wie dem Salzburger Abtreibungsstreit oder der Frage der Gleichstellung Homosexueller drifteten Grüne und Schwarze ebenfalls deutlich auseinander.
  • Schließlich spitzte sich die schwarz-grüne Auseinandersetzung in der Frage der Parlamentsarbeit zu. So konfrontierte Eva Glawischnig niemand Geringeren als Parlamentspräsident Andreas Khol mit dem schwerwiegenden Vorwurf der „Parlamentsfeindlichkeit“: „Er stellt sich in heiklen Fragen regelmäßig gegen das Parlament. Parteipolitik ist ihm offenbar wichtiger.“ Hintergrund des grünen Furors war ein von Khol präsentiertes Gutachten, wonach der Nationalrat dem Bundeskanzler in der Türkei-Frage keine Weisung erteilen könne. ÖVP-Klubchef Wilhelm Molterer reagierte mit einem Rüffel: „Den Präsidenten unter Druck zu setzen ist inakzeptabel. So etwas tolerieren wir sicher nicht.“
  • Auch in Sachen Kontrollrechten äußern die Grünen ihren Unmut über die Kanzlerpartei. „Die ÖVP missbraucht ihre Stärke und macht das Hohe Haus zu einem Abwürgeparlament“, beklagt Grün-Aufdecker Werner Kogler. Der Kontrollausschuss tage seltener als zuvor, und im Rechnungshofausschuss, dem Kogler vorsitzt, verhindere die ÖVP, dass Kritiker der Eurofighter-Entscheidung geladen werden.

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    13.10.2004 17:43