Freitag, 15. Oktober 2004

Postbus-Teilprivatisierung: Grundsätzlich Verkauf von Linien ins Ausland möglich

  • Chefin erwartet dennoch zahlreiche Angebote aus Inland
  • Goldmann: Lösung für Mitarbeiter steht mittlerweile fest

Bahnbus und Postbus sind bei der geplanten Teilprivatisierung grundsätzlich bereit, Linien auch ins Ausland zu verkaufen. Sollte die deutsch-französische Connex der Bestbieter sein, werde Connex die Linien bekommen, sagte Postbus-Chefin Wilhelmine Goldmann am Freitag im Gespräch mit der APA. Vor einem neuen ausländischen Wettbewerber fürchte sie sich nicht. Goldmann glaubt aber, dass es auch aus Österreich zahlreiche Angebote geben wird - trotz anhaltender Klagen der heimischen Busunternehmen. Eine Lösung für die Mitarbeiter steht laut Goldmann mittlerweile fest: Die betroffenen 442 Bediensteten sollen beim Dienstgeber Postbus AG bleiben und an die Privaten quasi weiterverleast werden.

Die privaten heimischen Busunternehmen - allen voran Dr. Richard, Blaguss und SAB Tours Wels - beschweren sich seit Wochen über unzureichende Verkaufsunterlagen und darüber, dass Postbus und Bahnbus nur unattraktive Linien zum Verkauf angeboten hätten und gleichzeitig nur die ältesten Busse und das teuerste Personal abgeben wollten. Zahlreiche Interessenten hatten deshalb erklärt, dass sie kein verbindliches Angebot legen wollten.

Goldmann sieht darin aber nur ein "wildes Säbelrasseln". Tatsächlich hätten über 60 Unternehmen die Verkaufsunterlagen eingesehen, was auf ein "sehr großes Interesse" hindeute. Die Postbus-Chefin glaubt daher, dass der Teilverkauf "ein voller Erfolg wird". "Sonst würden sie nicht so klagen", ist ihre Interpretation der Proteste. Zur Kritik an der Qualität der Pakete meint die Postbus-Chefin, jeder könne "die Assets bewerten, wie er will". Das Personal müsse aber auch bei dem gewählten Leasingmodell "unbedingt" zu den Privaten mitwandern, so Goldmann. Und sie betont: "Wer nicht mitbietet, ist draußen."

Die Angebotsfrist endet am 25. Oktober. In der Woche darauf soll dann feststellen, mit wem Postbus und Bahnbus tatsächlich Verkaufsverhandlungen aufgenommen werden. Offene Fragen der Interessenten sollen dabei in einem weiteren Datenraum geklärt werden, verspricht Goldmann. Auch die unabhängigen Bewertungsgutachten, durch die der Mindestverkaufspreis festgesetzt werden soll, werden demnach bis zum Abschluss der Verhandlungen vorgelegt werden.

Auf eine Frist, bis wann der Teilverkauf endgültig abgeschlossen werden soll, will sich der Postbus nicht festlegen. Goldmann betont aber: Wir wollen so schnell wie möglich verkaufen". (apa/red)

15.10.2004 13:18