Donnerstag, 14. Oktober 2004

Kann Alitalia wirklich gerettet werden: Italienische Linie sitzt auf hohen Verlusten

  • Aktie trotz Einigung auf Sanierung schwer unter Druck
  • Mehrmonatige Untersuchung durch EU befürchtet

Knapp zwei Wochen nach der Verabschiedung des Plans zur Rettung der maroden Alitalia wächst in Italien wieder die Sorge um die Zukunft der Krisen geschüttelten Airline. Für einen Eklat sorgte Alitalia-Chef Giancarlo Cimoli mit der Vorstellung der Verluste im ersten Halbjahr 2004, die auf 620 Mio. Euro geklettert sind. Wie das Unternehmen am späten Mittwochabend in Rom mitteilte, waren im Fehlbetrag 289 Mio. Euro als einmalige Aufwendungen für den Abbau von Arbeitsplätzen und für die Aufspaltung des Konzerns im Rahmen seiner Umstrukturierung enthalten. Für Anfang 2005 strebt die Fluggesellschaft eine Kapitalerhöhung von bis zu 1,2 Mrd. Euro an.

Cimoli befürchtet eine mehrmonatige Überprüfung des Rettungsplans durch die EU-Kommission. Die EU-Kommission will kontrollieren, ob der Sanierungsplan nicht indirekt staatliche Hilfen für die Fluggesellschaft beinhalte, die noch mehrheitlich unter Kontrolle des römischen Schatzministeriums steht.

Im schlimmsten Fall könnte die Untersuchung bis zu 18 Monate dauern, was die Arbeit Cimolis erheblich behindern würde. Die EU-Kommission will insbesondere die Rolle überprüfen, die der staatliche Konzern Fintecna bei der Umstrukturierung der Alitalia spielen wird. Die Gruppe, die als Aktionär in die Fluggesellschaft einsteigen will, könnte der Fluglinie indirekt Staatshilfen garantieren, hieß es in Brüssel.

280 Millionen Euro Einsparungen
Der Rettungsplan, mit dem 3.700 Arbeitsplätze wegrationalisiert werden, soll dem Unternehmen Einsparungen im Wert von 280 Mio. Euro ermöglichen. Der Plan sieht die Aufspaltung der Alitalia in zwei Gesellschaften vor - "AZ Fly", die das Fluggeschäft weitgehend schuldenfrei weiterführen soll, und "AZ Service", in der der Bodenbetrieb gebündelt werden soll.

Am Donnerstagvormittag gerieten die Alitalia-Aktien an der Mailänder Börse arg unter Druck. Die Kurse der Fluggesellschaft meldeten Kurseinbrüche von 11 Prozent.
(apa)

14.10.2004 13:23