Dienstag, 12. Oktober 2004

Wien und Steyr atmen auf: Milliarden-Auftrag für MAN-Nutz sichert Standorte!

  • Britische Armee will 5.000 Lkw für 1,6 Mrd. Euro kaufen
  • Österreicher erfreut: Zusätzliches Personal gefragt

Dem deutschen Maschinenbau- und Nutzfahrzeugkonzern MAN und damit vor allem auch seinen österreichischen Werken (Wien, Steyr) winkt ein milliardenschwerer Militärauftrag aus Großbritannien. Der seit Dienstag praktisch fest stehende Lastwagen-Auftrag - Auslieferung ab 2007 - sichert die Auslastung der österreichischen Standorte.

Gehen die finalen Verhandlungen aus wie von MAN in Deutschland und Österreich erhofft, würde das Eurofighter-Konsortium den Auftrag als Gegengeschäft für den Abfangjäger-Deal einreichen, wie gegenüber der APA am Dienstagnachmittag bestätigt wurde.

Ursprünglich sollte die Lieferung einen Umfang von mehr als 8.600 Militärlastern mit einem Wert von 4,5 Mrd. Euro inklusive Wartung haben. Nun ist die Order offenbar zunächst etwas kleiner: Wie MAN am Dienstag offiziell mitteilte, ist die MAN Nutzfahrzeuge AG, München, vom britischen Verteidigungsministerium (Ministry of Defence) als so genannter "Preferred Bidder" für 5.000 Lkw im Gesamtvolumen von 1,6 Mrd. Euro benannt worden. Darüber hinaus besteht eine Option auf weitere Fahrzeuge. Damit war die Technik von MAN in einem internationalen Wettbewerbsumfeld erfolgreich, beworben hatten sich auch namhafte andere interationale Lkw-Produzenten. Jetzt starten die Exklusivverhandlungen zu den Details des Kaufvertrags.

"Die Lieferungen sollen 2007 starten und tragen zur Grundauslastung für die betroffenen Werke in Großbritannien, Österreich und Deutschland bei", teilte MAN in München in einem Kommunique weiter mit.

MAN-Österreich erwartet vom insgesamt mit 1,6 Mrd. Euro bezifferten Auftragsvolumen aus England rund 1 Mrd. Euro für die beiden Standorte in Steyr und Wien sichern zu können.

"Der überwiegende Teil des britischen Lkw-Auftrags wird voraussichtlich bei uns gefertigt", sagte ein hörbar erleichterter MAN-Österreich-Chef Bruno Krainz heute in einer ersten Reaktion gegenüber der APA. Er will allerdings noch keinerlei Schätzung des Österreich-Anteils abgeben.

Bei der MAN-Sonderfahrzeuge AG in Wien würden die Fahrgestelle für die 5.000 Autos gefertigt, bei MAN Steyr sollen hingegen die Fahrerhäuser hergestellt werden. Der Deal war seit mehr als zwei Jahren verhandelt, zuletzt aber immer wieder aufgeschoben worden. Dass die Entscheidung nun doch relativ rasch getroffen wurde, war von Branchenkennern zum derzeitigen Zeitpunkt nicht erwartet worden.

"Wenn der sonstige Auftragsbestand so bleibt wie er ist, werden wir sicher zusätzliches Personal brauchen", sagte Krainz. "Ob das 250 oder 350 Leute mehr sind, kann ich heute nicht sagen. Es wird jedenfalls nicht unerheblich sein." Die Lieferungen sollen 2007 beginnen und werden - zumindest nach den bisher diskutierten Zeitplänen zwischen 1.000 und 1.200 Stück pro Jahr umfassen.

Die MAN-Standorte in Österreich dürften damit auf absehbare Zeit gut abgesichert sein. Die MAN Nutzfahrzeuge wurden vom britischen Verteidigungsministerium als bevorzugter Bieter ausgewählt, was bedeutet, dass der Auftraggeber ausschließlich mit MAN den endgültigen Deal ausverhandelt. "Unter normalen Bedingungen sollte dabei nichts mehr schief gehen", sagte Krainz. (apa)

12.10.2004 16:40