Geringe Hemmschwelle: Betrügereien kosten Kfz-Versicherungen jährlich 220 Mio.
- Laut Versicherungsverband jeder siebente Schaden selbst herbeigeführt
Den heimischen Kfz-Versicherungen gehen durch Betrügereien jährlich 220 Mio. Euro verloren. Rund jeder siebente der 1,3 Millionen jährlich in Österreich gemeldeten Fahrzeugschäden wurde vom Versicherungsnehmer selbst herbeigeführt. 17 Prozent der Leistungen bei Kasko- und acht Prozent bei Autohaftplichtversicherungen wurden erschwindelt, die Dunkelziffer dürfte noch weit höher liegen, wie Zahlen des Österreichischen Versicherungsverbandes ergeben.
Ein "Klassiker" beim Kfz-Versicherungsbetrug ist das "Peitschenschlagsyndrom" nach einem Auffahrunfall mit geringer Geschwindigkeit. "Diese Verletzung lässt sich auch per Röntgen kaum nachweisen", zitiert die SN den Techniker des Auto-Versicherers Garanta Österreich, Roman Eisl. Verdächtig sei, wenn jemand gleich nach dem Crash mit angeblichen Nackenschmerzen aus dem Auto steige: "Fast immer treten die Schmerzen erst mit Verzögerung auf", erklärt der Experte.
Die Hemmschwelle sei gering, Tipps für den "sicheren" Betrug werden am Stammtisch ausgetauscht. Organisierte Kriminalität spiele dabei nur eine geringe Rolle, zu 88 Prozent handle es sich um Amateure. "Man sagt sich: ,Es trifft keine Armen" oder ,Ich hab eh genug eingezahlt."
700 Euro sind laut Befragungen die niedrigste Grenze, bis zu der man sich selbst eine Manipulation erlaubt, so die SN. Der Kreativität seien keine Grenzen gesetzt: Wer mit seinem Fahrzeug eine Mauer touchiert hat, konstruiert etwa mit ein paar Besenborsten einen Wildschaden daraus. Für den Sachverständigen auch ohne DNA-Test aufzudecken: So scharfe Kanten wie eine Mauer hat kein Reh. Ebenfalls fragwürdig seien trotz eingelegten Gangs weg rollende Autos: Bei geringem Gefälle technisch nahezu unmöglich.
Bei angeblichen Vandalismusschäden sollten ebenfalls die Alarmglocken der Versicherer klingeln: Kratzer im Lack werden von echten Vandalen meist "im Vorbeigehen" in Hüfthöhe gemacht. Wegen des geringeren Lärms brechen Profis eher ein Autoschloss auf, als ein Fenster einzuschlagen.
Selbst Hagelschäden sind in vielen Fällen "hausgemacht": Dazu braucht es nur einen Hammer mit runder Schlagfläche und eine Plastikfolie. Oft verraten sich die Hobby-Betrüger durch allzu regelmäßig angeordnete Hagel-Dellen. Ein typisches "Muster" hinterlassen auch Einkaufswagen auf Autoblech.
Nur selten wird ein betrügerischer Versicherungsnehmer geklagt. Meistens reiche die Androhung, um die Rückzahlung zu erzwingen, so die Zeitung. (apa)
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