Montag, 11. Oktober 2004

WM-Medaille im Visier: Josef "Pepi" Strobl nimmt sich als Neo-Slowene viel vor

  • "Pepi" soll Sloweniens Herren zu Speed-Hoch führen
  • PLUS: So wurde Ski-Star Josef Strobl zum Slowenen

Ski-Österreichs "verlorener Sohn" Josef Strobl hat im grünen Renntrikot der slowenischen Nationalmannschaft einiges vor. Das große Ziel des Neo-Slowenen ist die WM 2005 in Bormio. "Ich möchte mit Slowenien das erreichen, was mir mit Österreich nicht gelungen ist - eine Medaille bei einem Großereignis", meinte der 30-Jährige, dessen bis dato bestes Resultat bei einem Großereignis Rang fünf im WM-Super-G 1997 in Sestriere ist.

Der Tiroler hat für den ÖSV sieben Weltcup-Bewerbe (3 Abfahrten, 2 Super G, 1 Riesentorlauf, 1 Parallelrennen) gewonnen, der bisher letzte Sieg ist Strobl am 12. Februar 2000 im Super G von St. Anton gelungen. Zuletzt gab's für den Holzgauer in Österreich aber lediglich Frust statt Lust, deprimiert durch die oft vergeblichen Qualifikationsmühen und durchs immer öftere Zuschauenmüssen absolvierte Strobl mit der Abfahrt in Kitzbühel am 22. Jänner 2004 (Platz 24) das letzte Weltcup-Rennen für das ÖSV-Power-Team.

Strobl hat sich gut eingelebt
Mittlerweile hat sich der Österreicher mit slowenischem Urgroßvater bei den "Underdogs" aus Slowenien blendend eingelebt. Kräftig unterstützt durch den slowenischen Verband war der Papierkram rund um die Einbürgerung nach zweieinhalb Monaten Ende September erledigt. Auch punkto Training, Strobl trainiert mit einer rund sechsköpfigen Truppe zumeist im Pitztal, streut der Neo-Slowene seinem Arbeitgeber Rosen. "In der Trainingsqualität gibt es zwischen Österreich und Slowenien keine großen Unterschiede."

Während Strobl in Österreich nur ein kleiner Teil des Starensembles war, ist er nun in Slowenien das neue Aushängeschild. "Für die Trainer ist es ein großer Ansporn, dass ich wieder dorthin komme, wo ich eigentlich hingehöre. Ich möchte an die Erfolge meiner guten Jahre anschließen", glaubt Strobl an einen "zweiten Frühling".

Leitwolf im jungen Slowenen-Team
Strobl soll Sloweniens Herren, die bis dato keinen einzigen Weltcup-Sieg in den Speed-Bewerben gefeiert haben, zu historischen Höhen in Super G und Abfahrt führen. "Sie bauen gerade ein junges Team im Speed-Bereich auf und dabei will ich helfen."

Bei "Pepi" scheint also endlich wieder alles eitel Wonne zu sein, wären da nicht die Streitereien mit dem ÖSV. Strobl wird nämlich aller Voraussicht nach den Weltcup-Auftakt in Sölden verpassen und gibt dafür den Österreichern die Schuld. "Wenn etwas ausgemacht ist, sollte man auch dazu stehen", betont Strobl. Der Riesentorlauf in Sölden findet am 24. Oktober statt, der FIS-Kongress, bei dem der Nationenwechsel endgültig abgesegnet wird, geht jedoch erst am 12. November über die Bühne.

Laut Strobl wäre jedoch bei Einverständnis beider Nationen auch eine Absegnung per telefonischer Vorstandskonferenz möglich gewesen. "Der ÖSV will das so, das finde ich weniger toll", meinte Strobl, der nach diesem "Extradoping" besonders heiß Richtung Übersee-Rennen Ende November und Anfang Dezember blickt. (apa)

11.10.2004 10:45