Montag, 18. Oktober 2004

Spanier Lopez gewinnt die Wiener BA-CA-Trophy: Fünf-Satz-Sieg vs Guillermo Canas

  • Packender 5-Satz-Krimi endet 6:4, 1:6, 7:5, 3:6 und 7:5
  • Favorit Canas verliert auch sein zweites Finale in Wien

Feliciano Lopez holte nach einem Fünfsatz-Thriller im Finale der BA-CA-Trophy seinen ersten ATP-Titel und sorgte für den ersten spanischen Sieg in der Wiener Stadthalle überhaupt. Der 23-jährige Spanier rang vor 5.800 Zuschauern den favorisierten Argentinier Guillermo Canas nach 3:35 Stunden mit 6:4,1:6,7:5,3:6,7:5 nieder und kassierte seinen ersten Siegerscheck in Höhe von 126.450 Euro. Canas hatte damit zum zweiten Mal nach 2001 im Endspiel der BA-CA-Trophy das Nachsehen, wird sich aber dennoch unter die Top 20 der Welt schieben.

"Es ist ein unglaubliches Gefühl. Nach dem Matchball konnte ich es gar nicht glauben", freute sich Lopez, der sich nach seinem Triumph auf den Rücken hatte fallen lassen. "Es war ein sehr knappes Match, gegen Guillermo musst du jeden Punkt vier, fünf Mal machen."

Es war eines der spannendsten Finale seit vielen Jahren, das einen würdigen Abschluss für das 30-Jahr-Jubiläum dieses Turniers bildete. Erst zum sechsten Mal in der Geschichte und zum ersten Mal seit 1997 musste der Sieger über fünf Sätze gehen. Linkshänder Lopez, der auf dem Weg zum Titel exakt 50 Asse schlug, startete mit einem Break ins Match, doch erst ein Break zum 5:4 bescherte ihm nach darauf gewonnenem Aufschlag-Game Satz eins nach 48 Minuten.

Canas schlug eindrucksvoll zurück und holte nur 27 Minuten später Satz zwei. Zu Beginn des dritten Durchgangs bekam der "Gaucho" wegen eines übersäuerten Magens zwar Tabletten von Turnierarzt Dr. Reinhard Weinstabl, war aber nicht wirklich gehandicapt. Doch es war dennoch Lopez, der das einzige Break schaffte und zwar zum 7:5. Als Lopez im vierten Set zwei Breakbälle zum 2:0 hatte, schien die Partie vorzeitig gelaufen, doch der kampfstarke Südamerikaner kam neuerlich zurück und rettete sich in den Entscheidungssatz.

Lopez blieb im Gegensatz zu Canas nicht nur auf der Grundlinie, sondern ging immer wieder auch ans Netz. "Wenn ich nur von hinten gespielt hätte, hätte ich nicht gewonnen", wusste der Spanier. Dem im fünften Satz lange Zeit souveränen Canas (vier zu Null-Aufschlag-Games) wurde das elfte Spiel zum Verhängnis, als er das Service zum 5:6 abgeben musste. Lopez, der zuvor nur in Dubai (2004) schon einmal in einem Endspiel gestanden war, nützte in der Folge den zweiten Matchball zu seinem ersten Titel. Lopez hatte auch die bisher einzige Begegnung mit Canas in fünf Sets für sich entschieden, und zwar mit 10:8 in der zweiten Wimbledon-Runde 2002.

Für Lopez, einer der wenigen Spanier, der am liebsten auf Hardcourt spielt, ist dieser Titel ein Riesenansporn. "Wien ist eines der größten Turniere der Welt. Es gibt mir Selbstvertrauen und ich hoffe, dass ich noch viele weitere Titel gewinnen werde. Jetzt freue ich mich auf Madrid." Feiern wird er den Triumph erst in seinem Heimatort können, denn Lopez beendete die Pressekonferenz 70 Minuten vor dem geplanten Abflug nach Madrid. "Ich hoffe, ich erwische die Maschine noch, dann werde ich dort ein schönes Abendessen haben."

Canas trotz Niederlage zufrieden
Für Guillermo Canas ist Wien trotz der zweiten Final-Niederlage eines seiner Lieblingsturniere. "Es ist nett hier und ich liebe den Court. Das nächste Mal will ich dieses Turnier gewinnen", sagte der Argentinier, der eine hervorragende 8:2-Bilanz bei der BA-CA-Trophy aufzuweisen hat.

"Ich hatte heute viele Höhen und Tiefen, es war nicht mein bester Tag. Lopez hat sehr gut serviert, aber ich hatte meine Chancen", sagte er zum Finale. "In einem so knappen Match kann ein Punkt über alles entscheiden.

(apa)

18.10.2004 09:24