Dienstag, 12. Oktober 2004

Trainingsstress und Zeitumstellung: Ausgelaugte Jukic verpasst WM-Medaille

  • Nur "Blech" für Mirna Jukic im Finale über 200 m Brust
  • Brustgiganten Hanson und Hansen eine Klasse für sich

Europameisterin Mirna Jukic hat bei den Schwimm-Kurzbahn-Weltmeisterschaften in Indianapolis ihr großes Ziel verpasst: Die 18-Jährige ist ohne Medaille geblieben. Als Vierte über 200 m Brust scheiterte sie am Dienstag um 48/100 Sekunden daran, wie im April 2002 in Moskau WM-Bronze zu holen. Jukic erreichte bei diesen Titelkämpfen bei allen Starts das Finale. Am Ende sprangen aber nur die Plätze vier, fünf und acht heraus.

Im 200 m Brust-Finale lag die Gymnasiastin mit 2:23:45 Minuten gleich 3,17 Sekunden hinter ihrer Bestzeit. "Mit meiner Zeit von Dublin hätte ich hier Gold geholt, schade", meinte Jukic nur wenige Minuten nach dem Endlauf. In Irland hatte sie im vergangenen Dezember in 2:21,09 den Kurzbahn-EM-Titel gewonnen.

In einer ersten Analyse vermutete die Gymnasiastin mehrere Gründe für die etwas schwächere Zeit: "Wahrscheinlich habe ich mir zu viel Druck gemacht, aber, meint der Papa, wahrscheinlich hab' ich jetzt auch noch Athen in den Knochen. Dazu kam die Zeitumstellung."

Starkes Finish blieb aus
Tatsächlich wird es ein Zusammenspiel dieser drei Komponenten gewesen sein, denn Jukic konnte ihr meist so starkes Finish diesmal nicht zeigen. "Am Ende hat mir einfach die Kraft gefehlt. Ich bin sehr enttäuscht, war am Ende völlig fertig." Gegenüber ihrer Marke als Vorlauf-Schnellste konnte sie nur 31/100 zulegen. Nach 100 und 150 m des Rennens war Jukic Dritte gewesen, doch die Australierin Sarah Katsoulis zog noch an ihr vorbei. Gold ging in 2:21,68 an deren Landsfrau Brooke Hanson, Silber an die US-Amerikanerin Amanda Beard.

Sechs Mal Gold für Hanson
Hanson krönte sich mit dieser Leistung endgültig zum absoluten Star dieser WM. Sechs Gold-Medaillen holte die 26-Jährige, sie triumphierte auf allen drei Brust-, auf den beiden Lagen-Strecken sowie mit der australischen 4x100-m-Lagen-Staffel.

Damit erfuhr die Dominanz des US-Teams doch einen entscheidenden Makel. Die Lokalmatadoren gaben am letzten Wettkampftag auch sonst nicht immer den Ton an, obwohl es doch immerhin zu fünf weiteren Gold-Medaillen und Weltrekorden mit der Lagen-Staffel und von Aaron Peirsol reichte.

Der Triple-Olympiasieger verbesserte in 1:50,52 Minuten seine eigene Weltbestmarke über 200 m Rücken um 12/100. Die bisherige Top-Marke hatte der Kalifornier übrigens heuer am 27. März beim NCAA-Finale in East Meadow in jenem Rennen aufgestellt, in dem Markus Rogan in 1:51,37 seinen noch gültigen Europarekord fixierte. Die US-Lagen-Staffel über 4x100 m entschied den letzten Endlauf des fünftägigen Meetings in 3:25,09 für sich, womit die bisherige US-Topmarke um 29/100 gedrückt wurde.

Hansen dominiert bei den Herren
Hansen tat es zudem Hanson gleich, indem er auf allen drei Brust-Strecken gewann. Lezak war über 100 m Kraul auch im Einzel-Rennen der Schnellste, Haley Cope siegte über 50 m wie schon über 100 m Rücken. Gleich sechs Mal Gold gab es am Schlusstag aber für Aktive aus Europa, wobei sechs Länder zum Zug kamen. So blieb über 100 m Lagen Peter Mankoc überraschend nur 8/100 über dem Weltrekord des zweitplatzierten Deutschen Thomas Rupprath, der Slowene gewann mit dem WM-Rekord von 52,66.

Im Kraul-Sprint der Damen siegte die Niederländerin Marleen Veldhuis in 24,41, die Steirerin Judith Draxler war am Vortag im Halbfinale als Gesamt-Zehnte ausgeschieden. Über 100 m Delfin der Damen setze sich der slowakische Routinier Martina Moravcova in 57,38 durch, über 200 m Kraul fing die Schwedin Josefin Lillhage Lindsay Benko vor deren Heim-Publikum überraschend in 1:56,35 um 13/100 ab. Bei den Herren gingen die 200 m Delfin an den Briten James Hickman (1:53,41), die 1.500 m Kraul an den Russen Jurij Prilukow (14:39,16). (apa/red)

12.10.2004 10:51