Die "stille Macht" im Weißen Haus - First Lady Laura Bush hat großen Einfluss
- Bush-Gattin spielt auch im Wahlkampf zentrale Rolle
- First Lady verkörpert den "altmodischen" Typus
Die First Lady der Vereinigten Staaten mag es überhaupt nicht, in eine Schublade gesteckt zu werden. Sie scheue sich nicht vor schwierigen Themen und habe sich beispielsweise für die Frauenrechte in Afghanistan und im Irak engagiert, entgegnet Laura Bush den Kommentatoren, die sie dem "altmodischen" Typus der Präsidentengattin zuordnen.
Doch mit einer Hillary Clinton oder auch einer Teresa Heinz Kerry, die viel eher als die moderne Version der Politikerfrau wahrgenommen werden, ist Laura Bush kaum auf eine Linie zu bringen. Zwar mangelt es auch ihr durchaus nicht an eigenen Interessen und Selbstvertrauen, doch das stellt sie weniger offensiv zur Schau.
Gleichwohl spielt seine Frau für Präsident George W. Bush in diesem Wahlkampf eine überaus wichtige Rolle. Schon seit Monaten befindet sich die 57-Jährige auf Kampagnentour. Beim Parteitag der Republikaner in New York Ende August fiel ihr eine zentrale Rolle zu; zur besten Sendezeit sprach sie zu den rund 5.000 Delegierten. Dabei beschrieb sie ihren Ehemann als offenen und - besonders in Krisen - verlässlichen Charakter, der mit seiner Entscheidung für den Irak-Krieg hart gerungen habe.
"Sie kommt als die freundliche Nachbarin herüber"
Die First Lady verleihe der Bush-Kampagne "ein lächelndes Gesicht", sagt Scott Reed, der Wahlkampfmanager des früheren republikanischen Präsidentschaftskandidaten Bob Dole. Sie sei "großartig" darin, mit den Bürgern draußen im Lande zu kommunizieren: "Sie kommt als die freundliche Nachbarin herüber, die zufällig First Lady geworden ist."
Laura Bush lässt aber auch ihren Mann lockerer werden. "Er ist besser, wenn sie dabei ist, entspannter und glücklicher", sagt Mark McKinnon, ein Bush-Berater aus Austin in Texas. Laura Bush mag nicht die intellektuelle Schärfe einer Hillary Clinton haben. Doch unpolitisch ist die frühere Lehrerin und Bibliothekarin nicht, und der Präsident hört auf sie, auch wenn es um seine Arbeit geht. Berater im Weißen Haus sprechen deshalb von der "stillen Macht" der First Lady.
George W. Bush und Laura sind schon seit fast drei Jahrzehnten ein offenbar gut funktionierendes Tandem. Ihre Seelenverwandtschaft hatten sie rasch entdeckt: Schon drei Monate nach ihrer ersten Begegnung 1977 zogen die Tochter eines Bauunternehmers und der Sohn des späteren Präsidenten George Bush vor den Traualtar.
"Unsere Persönlichkeiten ergänzten sich", sagt Laura Bush, die einst den Demokraten anhing. "Wir wollten beide dasselbe: Heiraten und Kinderkriegen." 1981 kamen die Zwillinge Jenna und Barbara zur Welt, die zu Beginn von Bush juniors Präsidentschaft vor allem durch Alkoholeskapaden auf sich aufmerksam machten. Inzwischen sind die Zwillinge aber anscheinend braver geworden und mischen sogar bei der Wahlkampagne ihres Vaters mit.
Mäßigender Einfluss auf George W. Bush
Als Ehefrau wird Laura Bush ein mäßigender Einfluss auf ihren Mann zugeschrieben. Mit 40 gab er unter anderem ihr zuliebe den Alkohol auf. Meist genügt nach Angaben von Freunden ein Blick von ihr, um ihn von einem wichtigtuerischen Höhenflug auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. "So wie George's Energie mich auflädt, macht ihn meine Reserviertheit stetiger", sagte sie selbst einmal.
Als First Lady hat sich Laura Bush neben den Frauenrechten vor allem im Kampf gegen Brustkrebs und Herzkrankheiten engagiert. Daneben verwendete sie viel Energie darauf, in einer fernsehsüchtigen Nation neue Lust an Büchern zu wecken.
Ihr meist ruhiges Temperament kann mitunter schon einmal aufwallen
- vor allem, wenn es um die Ehre ihres Mannes geht. Vor einigen Monaten bezichtigte sie die Demokraten einer "Hexenjagd", als Bush wegen seines laxen Dienstes in der Nationalgarde attackiert wurde. Doch ein Lapsus wie jener der temperamentvollen Teresa Heinz Kerry würde Laura Bush wohl nie unterlaufen: Die Ehefrau des demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry hatte unlängst einen Reporter mit einem "Leck' mich!" abgefertigt. (apa/red)
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